Der heilige Edmund – König von Ostanglien und Märtyrer
Der hl. Edmund von Ostanglien war im 9. Jahrhundert König des angelsächsischen Reiches East Anglia im heutigen England. Als dänische Wikinger 869 in sein Herrschaftsgebiet eindrangen, verlor Edmund sein Reich und sein Leben. Die spätere christliche Überlieferung erinnert ihn als König, der sich weigerte, seinem Glauben abzuschwören, und dafür den Märtyrertod erlitt. Seine Verehrung verbreitete sich schon früh und machte ihn im Mittelalter zu einem der wichtigsten englischen Heiligen. Sein Gedenk- und Namenstag ist der 20. November.
Ein König in einer Zeit der Wikingerzüge
Edmund regierte East Anglia seit etwa 855. Über seine frühen Lebensjahre ist historisch nur wenig sicher bekannt, da viele zeitgenössische Quellen aus dem ostanglischen Gebiet während der Wikingerzüge verloren gingen. Münzfunde und die Angelsächsische Chronik bestätigen jedoch seine Königsherrschaft und seinen Tod während der dänischen Eroberung East Anglias.
Seine Regierungszeit endete 869, als das Große Heidnische Heer in East Anglia eindrang. Schon diese wenigen historischen Eckdaten zeigen Edmund als Herrscher in einer Phase tiefgreifender politischer Umbrüche.
Zwischen historischem König und Märtyrerlegende
Die Angelsächsische Chronik berichtet knapp, dass Edmund gegen die Dänen kämpfte und getötet wurde. Rund ein Jahrhundert später schilderte Abbo von Fleury sein Ende ausführlicher: Edmund sei gefangen genommen worden und habe sich geweigert, seinen christlichen Glauben aufzugeben. Daraufhin sei er an einen Baum gebunden, mit Pfeilen beschossen und schließlich enthauptet worden.
Diese spätere Passionsgeschichte prägte die Edmund-Verehrung entscheidend. Pfeile, Baum und Schwert gehören deshalb neben königlichen Insignien und verschiedenen Tierattributen zu seiner Bildtradition.
Ein Wolf bewacht das verlorene Haupt
Eine der bekanntesten Edmund-Legenden setzt nach seiner Enthauptung ein. Sein Körper wurde gefunden, sein Haupt jedoch zunächst nicht. Nach der Erzählung führte ein Wolf die Suchenden zum abgeschlagenen Haupt und bewachte es, bis Körper und Kopf wieder vereint werden konnten.
Der Wolf wurde dadurch zu einem besonders gut erklärbaren Tierattribut Edmunds. Daneben ist in der Heiligenikonografie auch der Bär als Attribut überliefert – genau diese seltenere Darstellung greift eure Holzfigur auf.
Bär, Krone und Pfeile in der Darstellung
Der hl. Edmund kann in königlichen Gewändern oder Ritterrüstung erscheinen. Zu seinen Attributen gehören je nach Darstellung Krone, Zepter, Reichsapfel, Pfeile, Schwert, Baum, Wolf und Bär.
Bei eurer Figur ist insbesondere der Bär auffällig. Dieses Tier wird in ikonografischen Verzeichnissen ausdrücklich Edmund von Ostanglien zugeordnet; eine ebenso eindeutige und weit verbreitete Einzellegende zur Herkunft des Bären wie beim Wolf ist jedoch nicht überliefert. Deshalb sollte der Bär als traditionelles Edmund-Attribut bezeichnet, aber nicht mit einer erfundenen Episode erklärt werden.
Bury St Edmunds – eine Stadt trägt seinen Namen
Edmunds Reliquien wurden im frühen Mittelalter nach Beodericsworth übertragen. Der Ort entwickelte sich zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum und wurde schließlich nach dem Heiligen Bury St Edmunds genannt. Die dortige Abtei gehörte im Mittelalter zu den bekanntesten Edmund-Heiligtümern Englands.
Seine Verehrung wurde so stark, dass Edmund über lange Zeit als einer der bedeutendsten Schutzheiligen Englands galt. Noch heute sind sein Name und seine Geschichte eng mit Suffolk und Bury St Edmunds verbunden.
Schutzpatron von Königen und Suffolk
Edmund wird traditionell als Patron von Königen, der englischen Grafschaft Suffolk, von Folteropfern und Wölfen sowie gegen bestimmte Seuchen verehrt. In England besitzt seine Verehrung bis heute eine besondere regionale Bedeutung.
Seine Stellung als König und Märtyrer verbindet dabei zwei wesentliche Seiten seines Heiligenbildes: politische Verantwortung und Glaubenstreue.
Name und Gedenktag des heiligen Edmund
Der Name Edmund ist germanischen beziehungsweise altenglischen Ursprungs. Das Ökumenische Heiligenlexikon deutet ihn sinngemäß als „Schützer des Besitzes“.
Der Gedenk- und Namenstag des hl. Edmund von Ostanglien ist der 20. November. Dieses Datum wird in katholischer, anglikanischer und orthodoxer Tradition geführt.
Der heilige Edmund als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Edmund mit Bär greift eine traditionelle, aber weniger häufig erklärte Form seiner Ikonografie auf. Der Bär wird in ikonografischen Verzeichnissen ausdrücklich dem hl. Edmund zugeschrieben; Krone oder weitere königliche Insignien verweisen zusätzlich auf seine Stellung als König von Ostanglien.
Als Namensfigur eignet sich der hl. Edmund besonders für Menschen mit dem Namen Edmund, beispielsweise zum Namenstag am 20. November, zur Taufe oder Firmung. Seine Lebensgeschichte verbindet die Figur darüber hinaus mit den Themen Verantwortung, Glaubenstreue und Standhaftigkeit.