Der heilige Emanuel – Bischof zwischen Italien und Nordeuropa
Der hl. Emanuel, traditionell mit Emanuel von Cremona identifiziert, war ein mittelalterlicher Bischof, dessen Lebensweg ihn von Italien bis weit nach Nordeuropa führte. Um 1290 erscheint er als Bischof von Cremona. Nachdem er seine Stellung dort verloren hatte, verließ er Italien und ist anschließend an zahlreichen kirchlichen Orten nördlich der Alpen nachweisbar. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er im Umfeld der Zisterzienserabtei Aduard bei Groningen, wo er 1298 starb und bestattet wurde. Sein Gedenk- und Namenstag wird am 1. Oktober begangen.
Ein Bischof verlässt Cremona
Emanuel wird gewöhnlich mit Emanuel Sescalco identifiziert, der in den 1290er-Jahren als Bischof von Cremona auftrat. Die politischen und kirchlichen Verhältnisse in der norditalienischen Stadt waren angespannt, und Emanuel konnte seine Stellung nicht dauerhaft behaupten. Um 1295 verließ er Italien schließlich endgültig.
Damit begann ein ungewöhnlicher zweiter Abschnitt seines Lebens. Aus dem italienischen Bischof wurde ein reisender Geistlicher, dessen Tätigkeit sich heute durch zahlreiche mittelalterliche Urkunden an unterschiedlichen Orten nachvollziehen lässt.
Kirchliche Spuren nördlich der Alpen
Nach seinem Weggang aus Italien ist Emanuel unter anderem in der Schweiz, im Rheinland, in Westfalen und im norddeutschen Raum belegt. Er weihte Altäre und Kirchen und stellte kirchliche Urkunden aus. Ende 1295 weihte er beispielsweise Altäre in St. Kastor in Karden; 1296 ist er bei einem Dominikanerkonvent in Wesel und beim Generalkapitel der Dominikaner in Straßburg nachweisbar.
Diese Quellen machen Emanuel ungewöhnlich gut als reisenden mittelalterlichen Bischof greifbar, auch wenn viele persönliche Einzelheiten seines Lebens unbekannt geblieben sind.
Aduard wird zur letzten Station
Schließlich gelangte Emanuel in die bedeutende Zisterzienserabtei Aduard bei Groningen. Dort weihte er 1297 die Kapelle des neuen Krankenhauses und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1298 in der Umgebung des Klosters. Er wurde in der Abteikirche bestattet.
Seine Erinnerung blieb in Aduard über Jahrhunderte erhalten. Später wurde Emanuel in zisterziensischen Traditionen zu den verehrten Seligen beziehungsweise Heiligen gezählt, auch wenn die genaue Entwicklung dieses Kultes historisch nicht in allen Punkten eindeutig rekonstruierbar ist.
Buch, Mitra und Bischofsstab in der Darstellung
Die verbreitete Holzfigur des hl. Emanuel zeigt ihn als Bischof mit Mitra, Bischofsstab und Buch. Entsprechende Grödner Schnitzfiguren werden ausdrücklich als „Hl. Emanuel mit Buch“ angeboten und mit Emanuel von Cremona verbunden.
Das Buch sollte dabei nicht als Hinweis auf ein bestimmtes von Emanuel verfasstes Werk verstanden werden. Es ist vielmehr ein traditionelles Zeichen für kirchliche Lehre, Verkündigung und das bischöfliche Lehramt. Mitra und Bischofsstab kennzeichnen seine Stellung als Bischof.
Zwischen historischer Person und späterer Verehrung
Emanuel ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich historische Person und spätere Heiligenverehrung überlagern können. Seine Existenz als mittelalterlicher Bischof und zahlreiche Stationen seiner Reisen sind urkundlich belegt. Schwieriger zu beurteilen ist dagegen die spätere Überlieferung, nach der er selbst Zisterziensermönch geworden sei. Dafür fehlen eindeutige zeitgenössische Belege.
Seine Verehrung in Aduard entwickelte sich dennoch über Jahrhunderte. Dadurch blieb sein Name weit über seine eigentliche Amtszeit in Cremona hinaus erhalten.
Name und Gedenktag des heiligen Emanuel
Der Name Emanuel geht auf das Hebräische Immanuel zurück und bedeutet „Gott ist mit uns“. Diese Namensform besitzt eine lange biblische und christliche Tradition.
Für den mit der Grödner Emanuel-Figur verbundenen Emanuel von Cremona wird der 1. Oktober als Gedenk- und Namenstag geführt. Dieser Termin darf nicht mit anderen Heiligen beziehungsweise Märtyrern namens Emanuel verwechselt werden, für die beispielsweise auch der 26. März überliefert ist.
Der heilige Emanuel als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Emanuel mit Buch zeigt ihn in der traditionellen Gestalt eines mittelalterlichen Bischofs. Buch, Mitra und Bischofsstab verweisen auf kirchliche Lehre und sein bischöfliches Amt. Genau diese Darstellung ist in der Grödner Holzschnitzerei als eigenes Emanuel-Motiv verbreitet.
Als persönliche Namensfigur eignet sich der hl. Emanuel besonders für Emanuel, Emmanuel oder Manuel, beispielsweise zum Namenstag, zur Taufe oder Firmung.