Der heilige Gallus – Glaubensbote und Ursprung von St. Gallen
Der hl. Gallus war ein frühmittelalterlicher Mönch, Einsiedler und Glaubensbote, dessen Wirken besonders mit dem Bodenseeraum verbunden ist. Gemeinsam mit dem hl. Kolumban gelangte er zu Beginn des 7. Jahrhunderts in den alemannischen Raum. Nach ihrer Trennung zog Gallus über Arbon in das Tal der Steinach und errichtete dort um 612 eine Einsiedlerzelle. Aus dieser kleinen Gemeinschaft entwickelte sich später das Kloster St. Gallen, aus dem wiederum die heutige Stadt hervorging. Sein Gedenk- und Namenstag ist der 16. Oktober.
Als aus einer Einsiedlerzelle ein neuer Mittelpunkt entstand
Gallus suchte nach seiner Trennung von Kolumban einen Ort für ein zurückgezogenes geistliches Leben. Der Überlieferung zufolge erreichte er gemeinsam mit Gefährten das Tal der Steinach. Als er dort im Dorngestrüpp stürzte, deutete er dies als Zeichen, an diesem Ort zu bleiben. Genau hier entstand seine Zelle.
Was zunächst als Einsiedelei begann, wurde später zum Ausgangspunkt einer weitreichenden Klostertradition. Rund ein Jahrhundert nach Gallus führte Otmar die dortige Gemeinschaft weiter; daraus entwickelte sich das berühmte Kloster St. Gallen.
Der Bär wird zum Begleiter des Heiligen
Zu den bekanntesten Gallus-Legenden gehört die Begegnung mit einem Bären. Nach der Überlieferung kam das Tier nachts zu seiner Unterkunft und fraß von den Essensresten. Gallus soll dem Bären daraufhin befohlen haben, Holz für Feuer und den Bau der Zelle herbeizuschaffen. Als Gegenleistung versprach er ihm Brot.
Aus dieser Erzählung entstand eines der charakteristischsten Heiligenmotive des Alpenraums. Gallus wird häufig als Mönch oder Einsiedler mit einem Bären dargestellt. Der Bär erinnert dabei nicht an einen Kampf, sondern an die Vorstellung, dass selbst ein wildes Tier dem Einsiedler dienen konnte.
Mission am Bodensee und im alemannischen Raum
Bevor Gallus Einsiedler wurde, war er gemeinsam mit Kolumban missionarisch tätig. Die beiden wirkten unter anderem in Tuggen und Bregenz. Dort stießen sie auf erheblichen Widerstand, weil ihre Mission mit der Ablehnung bestehender religiöser Kulte verbunden war.
Gallus blieb nach der Trennung von Kolumban im Bodenseeraum. Besonders bemerkenswert ist die Überlieferung, dass er sich mit den Volkssprachen beschäftigte und nicht ausschließlich auf Latein predigte. Dadurch wird er als Glaubensbote beschrieben, der versuchte, die Menschen in ihrer eigenen sprachlichen Lebenswelt zu erreichen.
Ein Bischofsamt, das Gallus nicht wollte
Die Überlieferung berichtet, dass Gallus die Tochter des alemannischen Herzogs Gunzo heilte. Daraufhin soll ihm das Amt des Bischofs von Konstanz angeboten worden sein. Gallus lehnte jedoch ab und empfahl stattdessen einen seiner Gefährten für dieses Amt. Auch später soll er die Möglichkeit ausgeschlagen haben, Abt von Luxeuil zu werden.
Diese Episoden prägen das Bild eines Mannes, der bewusst beim einfachen Leben als Einsiedler blieb, obwohl ihm bedeutendere kirchliche Ämter offenstanden.
St. Gallen trägt seinen Namen bis heute
Gallus starb der Überlieferung nach in Arbon. Sein Leichnam wurde zu seiner Einsiedlerzelle zurückgebracht und dort bestattet. Sein Grab entwickelte sich zu einem Wallfahrtsort.
Aus der Gemeinschaft an seinem Grab entstand später das Kloster St. Gallen. Noch heute tragen Stadt und Kanton St. Gallen seinen Namen. Der offizielle Stiftsbezirk bezeichnet die Zelle des Gallus ausdrücklich als Ausgangspunkt jener Klosterkultur, aus der St. Gallen hervorging.
Mönch, Pilger und Bär in der Darstellung
Gallus wird traditionell als Mönch oder Pilger mit einem Bären dargestellt. Diese drei Elemente gehören zu seinen klassischen ikonografischen Merkmalen.
Bei einer Holzfigur des heiligen Gallus mit Bär ist deshalb besonders das Tier entscheidend für die Identifikation. Es verweist unmittelbar auf die Gründungslegende seiner Einsiedelei und auf die Vorstellung eines Lebens inmitten einer noch weitgehend unerschlossenen Landschaft.
Patron von St. Gallen und Schutzheiliger der Tiere
Gallus ist Patron der Stadt und des Kantons St. Gallen sowie des Bistums St. Gallen. Darüber hinaus wird er traditionell als Patron von Gänsen, Hühnern und Hähnen sowie von Fieberkranken verehrt.
Seine regionale Bedeutung ist besonders stark in der Schweiz, in Süddeutschland, Vorarlberg und im Elsass. Zahlreiche Kirchen und Orte tragen bis heute seinen Namen.
Name und Gedenktag des heiligen Gallus
Der Name Gallus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „der Gallier“.
Der Gedenk- und Namenstag des hl. Gallus ist der 16. Oktober. Im Bistum St. Gallen wird dieser Tag als Hochfest gefeiert; auch in verschiedenen weiteren Diözesen der Schweiz und des Alpenraums besitzt er besonderen liturgischen Rang.
Der heilige Gallus als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Gallus zeigt ihn meist im einfachen Gewand eines Mönchs oder Einsiedlers. Besonders charakteristisch ist der Bär, der auf die bekannte Legende vom Holztragen verweist.
Als Namensfigur eignet sich der hl. Gallus besonders für Gallus, Gall oder Gallo, etwa zum Namenstag am 16. Oktober, zur Taufe oder Firmung. Durch seine starke regionale Verehrung ist eine Gallusfigur außerdem besonders passend für Menschen mit Bezug zu St. Gallen, dem Bodensee, der Ostschweiz oder Vorarlberg.