Der heilige Gerhard – Bischof, Erzieher und Märtyrer in Ungarn
Der hl. Gerhard von Csanád, auch Gerhard Sagredo oder Gellért genannt, gehört zu den prägenden Gestalten der frühen ungarischen Kirche. Um 980 vermutlich in Venedig geboren, trat er in das Benediktinerkloster San Giorgio Maggiore ein und wurde später Abt. Eine geplante Pilgerreise ins Heilige Land führte ihn schließlich nach Ungarn, wo König Stephan I. ihm die Erziehung seines Sohnes Emmerich anvertraute. Um 1030 wurde Gerhard erster Bischof von Csanád. Dort organisierte er das junge Bistum, gründete kirchliche Einrichtungen und förderte Bildung und Mission. Am 24. September 1046 wurde er bei einem Aufstand in Buda getötet.
Eine Pilgerreise nimmt eine unerwartete Richtung
Gerhard hatte zunächst ein anderes Ziel. Nach Jahren als Benediktinermönch und Abt wollte er ins Heilige Land reisen und dort ein zurückgezogenes geistliches Leben führen. Stattdessen gelangte er nach Ungarn und begegnete König Stephan I. Dieser erkannte in ihm einen geeigneten Lehrer für seinen Sohn Emmerich und gewann Gerhard für die junge ungarische Kirche.
Damit änderte sich Gerhards Lebensweg grundlegend: Aus dem Mönch, der die Einsamkeit suchte, wurde zunächst Erzieher und Berater, später Missionar und schließlich Bischof.
Von der Erziehung Emmerichs zum Aufbau eines Bistums
Gerhard übernahm die Erziehung des später ebenfalls heilig verehrten Emmerich von Ungarn. Papst Johannes Paul II. hob diese Aufgabe ausdrücklich als wichtigen Teil seines Wirkens hervor. Später ließ Gerhard auch seine Einsiedelei in Bakony zurück, um als Missionsbischof die neu entstehende Diözese Csanád aufzubauen.
Dort entstanden unter seiner Leitung eine Kathedrale, eine Marienkirche und eine Schule zur Ausbildung künftiger Priester und Mönche. Bildung und Glaubensvermittlung gehörten damit eng zu seinem bischöflichen Auftrag.
Das durchbohrte Herz als ungewöhnliches Erkennungszeichen
In der Heiligenikonografie wird Gerhard unter anderem als Bischof mit Buch und einem von einem Pfeil durchbohrten Herzen dargestellt. Genau dieses Motiv findet sich auch bei der verbreiteten Südtiroler Holzfigur.
Das durchbohrte Herz gehört zu seiner Märtyrerikonografie und verweist auf das gewaltsame Ende seines Lebens. Es ist damit kein allgemeines Herzsymbol wie bei einer Herz-Jesu-Darstellung, sondern ein persönliches Erkennungsmerkmal des hl. Gerhard.
Mission mit Bildung und Fürsorge verbunden
Als erster Bischof von Csanád beschränkte sich Gerhard nicht auf Predigt und Kirchenorganisation. Die Überlieferung beschreibt ihn als einen Bischof, der sich um Arme, Kranke und Aussätzige kümmerte. Zugleich organisierte er seine Diözese mit Hilfe von Benediktinermönchen und setzte sich besonders für die Ausbildung des Klerus ein.
Papst Johannes Paul II. beschrieb Gerhards Leben deshalb in drei großen Rollen: Mönch, Apostel und Märtyrer. Gerade diese Entwicklung macht sein Leben ungewöhnlich vielseitig.
Der Gellértberg erinnert an seinen Tod
Nach dem Tod König Stephans I. geriet Ungarn in schwere politische und religiöse Unruhen. Während eines heidnischen Aufstands wurde Gerhard am 24. September 1046 in Buda angegriffen. Gesichert ist sein gewaltsamer Tod; die späteren Quellen überliefern unterschiedliche Einzelheiten, darunter Steinwürfe und Lanzenstiche oder die Geschichte, er sei in einem Fass den Berg hinabgerollt worden.
Der Ort seines Martyriums trägt heute den Namen Gellértberg. Damit ist die Erinnerung an Gerhard bis heute unmittelbar im Stadtbild Budapests sichtbar.
Budapest und Ungarn bewahren seine Erinnerung
Gerhard wurde 1083 gemeinsam mit König Stephan und dessen Sohn Emmerich heiliggesprochen. Er wird als Patron Budapests und als einer der bedeutenden Heiligen Ungarns verehrt. Besonders eng ist seine Erinnerung mit dem Gellértberg verbunden, wo seit 1904 ein großes Denkmal an den Bischof und Märtyrer erinnert.
Zugleich gilt Gerhard als Patron der Pädagogen beziehungsweise Erzieher – ein Patronat, das unmittelbar zu seiner Tätigkeit als Lehrer des jungen Emmerich passt.
Name und Gedenktag des heiligen Gerhard
Der Name Gerhard ist althochdeutschen Ursprungs und bedeutet sinngemäß „der Speerstarke“. Als weitere Namensformen begegnen Gerardo im Italienischen und Gellért im Ungarischen.
Der Gedenk- und Namenstag des hl. Gerhard von Csanád ist der 24. September, sein Todestag im Jahr 1046.
Der heilige Gerhard als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Gerhard mit durchbohrtem Herzen zeigt ihn meist als Bischof mit Mitra, Bischofsstab und Buch. Auf oder bei dem Buch erscheint das rote, durchbohrte Herz als charakteristisches Merkmal der Darstellung. Genau dieses Motiv wird im Südtiroler Schnitzsortiment ausdrücklich als „Hl. Gerhard mit Buch und durchbohrtem Herzen“ geführt.
Als Namensfigur eignet sich Gerhard besonders für Gerhard, Gerd, Gerardo oder Gellért, etwa zum Namenstag am 24. September, zur Taufe oder Firmung. Durch seine Patronate besitzt die Figur außerdem einen besonderen Bezug zu Lehrern, Erziehern, Pädagogen sowie Menschen mit Verbindung zu Budapest oder Ungarn.