Der heilige Günther von Thüringen – vom Grafen zum Einsiedler
Der hl. Günther von Thüringen gehört zu den ungewöhnlichen Einsiedlergestalten des 11. Jahrhunderts. Wahrscheinlich entstammte er dem thüringischen Grafengeschlecht der Käfernburg-Schwarzburger und war mit Kaiser Heinrich II. verwandt. Zunächst führte Günther das Leben eines adeligen Grundherrn, bevor er sich um 1005 unter dem Einfluss des später heiliggesprochenen Abtes Godehard für einen radikalen Neuanfang entschied. Er gab Besitz ab, wurde Benediktinermönch und suchte schließlich als Einsiedler die Abgeschiedenheit des Bayerischen und Böhmerwaldes. Sein Gedenk- und Namenstag ist der 9. Oktober.
Weihnachten 1005 wird zum Wendepunkt
Günthers Lebensgeschichte beginnt nicht im Kloster. Als Angehöriger des thüringischen Hochadels verfügte er über Besitz, Einfluss und politische Beziehungen. An Weihnachten 1005 entschied er sich jedoch, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen und Benediktinermönch zu werden. Besitz übertrug er unter anderem an Hersfeld und das mit seiner Familie verbundene Kloster Göllingen.
Die Entscheidung war damit mehr als ein Wechsel des Berufs oder Standes. Aus einem adeligen Grundherrn wurde ein Mann, der zunehmend auf Besitz, Rang und schließlich auch auf klösterliche Leitungsämter verzichtete.
Selbst das Amt des Abtes hielt ihn nicht fest
Nach einer Pilgerfahrt nach Rom wurde Günther im Kloster Niederaltaich aufgenommen. Zeitweise übernahm er die Leitung des kleinen Klosters Göllingen, gab diese Aufgabe jedoch bald wieder auf und kehrte nach Niederaltaich zurück.
Auch ein klösterliches Amt wurde für ihn somit nicht zum eigentlichen Ziel. Günthers weiterer Lebensweg führte immer stärker in die Einsamkeit und schließlich in die damals kaum erschlossenen Waldgebiete an der bayerisch-böhmischen Grenze.
Im Bayerischen Wald beginnt ein neues Kapitel
Um 1008 lebte Günther zunächst als Einsiedler am Ranzingerberg bei Lalling. Wenige Jahre später zog er mit Gefährten tiefer in den Bayerischen Wald. Dort entstanden durch Rodung eine kleine Siedlung und schließlich eine religiöse Gemeinschaft. Aus diesem Anfang entwickelte sich Rinchnach, dessen Kloster 1019 geweiht wurde.
Günther wurde dadurch zu einer prägenden Gestalt der frühen Besiedlung des mittleren Bayerischen Waldes. Rinchnach bezeichnet sich bis heute als Guntherort und erinnert damit unmittelbar an seinen Gründer.
Vom Kloster erneut zurück in die Einsamkeit
Auch Rinchnach blieb für Günther nicht der Endpunkt. Im hohen Alter gab er die Leitung seiner Gemeinschaft auf und zog weiter in den Böhmerwald. Dort lebte er erneut als Einsiedler in einer damals unbesiedelten Gegend am sogenannten Bayerischen Steig.
Seine letzte Einsiedelei lag unterhalb des heutigen Guntherfelsens am Gunthersberg bei Gutwasser. Dort starb Günther am 9. Oktober 1045. Seine sterblichen Überreste wurden anschließend in das Kloster Břevnov bei Prag überführt.
Mönchsgewand, Kreuzstab und Reuthaue in der Darstellung
Günther wird gewöhnlich als Mönch oder Einsiedler dargestellt. Zu seinen Attributen gehören je nach Region Buch, Stab oder Kreuzstab sowie eine Reuthaue. Letztere erinnert besonders an die Rodungs- und Aufbauarbeit im Bayerischen Wald und erscheint bis heute im Wappen von Rinchnach.
Die verbreitete Südtiroler Holzfigur des hl. Günther von Thüringen zeigt ihn entsprechend als bärtigen Einsiedler in schlichtem Mönchsgewand.
Zwischen Thüringen, Bayern und Böhmen
Kaum ein regional verehrter Heiliger verbindet so viele Landschaften miteinander. Günthers Herkunft liegt in Thüringen, sein monastischer Weg führte über Hersfeld und Niederaltaich nach Bayern, und seine letzten Jahre verbrachte er im Böhmerwald. Auch in Böhmen blieb seine Verehrung lebendig.
Damit wurde aus einem thüringischen Grafen eine grenzüberschreitende Heiligengestalt, die bis heute in Bayern, Thüringen und Tschechien erinnert wird.
Verehrt, obwohl eine formale Heiligsprechung fehlt
Bei Günther gibt es eine kirchenrechtliche Besonderheit: Eine formale Kanonisation im später üblichen Sinn lässt sich nicht nachweisen. Seine Verehrung als Heiliger wurde jedoch kirchlich anerkannt und gefördert; das aktuelle Martyrologium führt Gunther von Thüringen als Mönch und Einsiedler am 9. Oktober.
Für eure Shopseite kann deshalb problemlos die traditionelle Bezeichnung „Hl. Günther von Thüringen“ verwendet werden.
Name und Gedenktag des heiligen Günther
Der Name Günther beziehungsweise Gunther ist althochdeutschen Ursprungs und bedeutet sinngemäß „Kampfheer“.
Der Gedenk- und Namenstag des hl. Günther von Thüringen ist der 9. Oktober. An diesem Tag wird er auch im aktuellen kirchlichen Kalender als Mönch und Einsiedler geführt.
Der heilige Günther von Thüringen als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Günther von Thüringen zeigt ihn typischerweise als schlichten Mönch oder Einsiedler. Je nach Darstellung erscheinen Kreuzstab, Buch oder ein Werkzeug als Erinnerung an sein zurückgezogenes Leben und an die Aufbauarbeit im Bayerischen Wald. Die verbreitete Grödner Figur greift besonders die schlichte Einsiedlerdarstellung auf.
Als Namensfigur eignet sich Günther besonders für Günther, Günter oder Gunther, etwa zum Namenstag am 9. Oktober, zur Taufe oder Firmung. Seine Biografie besitzt außerdem einen starken regionalen Bezug zu Thüringen, Niederaltaich, Rinchnach, dem Bayerischen Wald und Böhmen.