Der heilige Guido von Anderlecht – Küster, Pilger und Freund der Armen
Der hl. Guido von Anderlecht, eigentlich Wido und französisch Guy, lebte um die Wende vom 10. zum 11. Jahrhundert im heutigen Belgien. Aus einfachen Verhältnissen stammend, arbeitete er zunächst als Bauernknecht und später als Küster in Laeken bei Brüssel. Seine besondere Aufmerksamkeit galt Armen und Bedürftigen. Ein Versuch, durch Handel größere Mittel für seine Hilfe zu erwirtschaften, scheiterte. Guido entschied sich daraufhin erneut für ein einfaches Leben und unternahm ausgedehnte Pilgerreisen nach Rom und Jerusalem. Am 12. September 1012 starb er in Anderlecht, wo sein Grab zu einem bedeutenden Wallfahrtsort wurde.
Als Helfen plötzlich mit Geldverdienen verbunden war
Guido lebte als Küster bescheiden und gab einen großen Teil dessen, was er besaß, an Bedürftige weiter. Ein Kaufmann überzeugte ihn schließlich davon, sich an einem Handelsunternehmen zu beteiligen. Der Gedanke dahinter war zunächst nachvollziehbar: Mit größeren Gewinnen könnte Guido auch mehr Menschen unterstützen. Das Vorhaben scheiterte jedoch; nach der Überlieferung ging das Handelsschiff verloren.
Für Guido wurde dieses Erlebnis zu einem Wendepunkt. Statt erneut nach wirtschaftlichem Erfolg zu suchen, kehrte er zu einem bewusst einfachen Lebensstil zurück.
Tausende Kilometer als Pilger unterwegs
Aus dieser Neuorientierung entwickelte sich eine außergewöhnlich lange Pilgerzeit. Guido reiste zunächst nach Rom und anschließend ins Heilige Land. Um 1004 unternahm er gemeinsam mit dem Anderlechter Kanoniker Wonedulph eine Wallfahrt nach Jerusalem. Die Überlieferung spricht insgesamt von mehreren Jahren, die Guido auf Pilgerwegen verbrachte.
Gerade dieser Abschnitt seines Lebens erklärt, warum Guido in der Kunst und bei Holzfiguren häufig als Pilger mit Stab, Gebetskette und Reiseausrüstung erscheint.
Pilgerstab, Glocke und Wasserflasche in der Holzfigur
Die verbreitete Grödner Holzfigur zeigt den hl. Guido von Anderlecht als Pilger. Er trägt ein langes Gewand und einen einfachen Umhang; in der Hand hält er einen Pilgerstab mit Glocke, während Gebetskette und Wasserflasche am Gürtel befestigt sind.
Diese Attribute sind bei Guido besonders passend, weil die Pilgerreisen nach Rom und Jerusalem einen großen Teil seiner späteren Lebensgeschichte bestimmen. Anders als bei vielen Heiligen sind Stab und Reiseausrüstung hier also keine rein allgemeine Pilgersymbolik, sondern greifen einen zentralen biografischen Abschnitt auf.
Anderlecht wird zum Zentrum seiner Verehrung
Nach seinen langen Reisen kehrte Guido schließlich nach Anderlecht zurück. Dort starb er am 12. September 1012. 1112 wurden seine Gebeine durch Bischof Odo von Cambrai erhoben; sein Grab in der heutigen Stiftskirche St. Peter und Guido entwickelte sich anschließend zu einem wichtigen Wallfahrtsort.
Bis heute ist Guido eng mit Anderlecht verbunden. Er erscheint sogar im Wappen der Gemeinde, und seine Verehrung gehört fest zur religiösen Geschichte des Brüsseler Raums.
Pferde und Fuhrleute prägen eine besondere Wallfahrtstradition
Mit Guidos Verehrung entwickelte sich in Anderlecht eine bemerkenswerte Tradition rund um Pferde, Fuhrleute und Bauern. Sein Grab soll der Legende nach von einem Pferd wiederentdeckt worden sein. Später führten Fuhrleute aus Brabant regelmäßig Prozessionen nach Anderlecht an, begleitet von Bauern, Stallknechten und ihren Tieren.
Diese Tradition erklärt einen Teil seiner bis heute überlieferten Patronate und macht Guido zu einem besonders interessanten Heiligen für Menschen mit Bezug zu Landwirtschaft, Pferden und Transportwesen.
Küster und Glöckner finden in Guido ihren Patron
Guido gilt traditionell als Patron der Küster beziehungsweise Mesner und Glöckner. Das Patronat geht unmittelbar auf seine eigene Tätigkeit an der Kirche von Laeken zurück. Darüber hinaus werden Bauern, Knechte, Pilger, Fuhrleute und Kaufleute mit seiner Verehrung verbunden.
Gerade das Küsterpatronat besitzt einen besonders klaren biografischen Ursprung: Guido kümmerte sich selbst um Kirche, Altar und liturgische Geräte und verband diese Aufgabe mit seiner Hilfe für Bedürftige.
Auch Vieh und Pferdeställe gehören zu seiner Schutztradition
Die traditionelle Patronatsliste ist bei Guido ungewöhnlich umfangreich. Er wird unter anderem mit Vieh, Kuh- und Pferdeställen verbunden und gegen Viehseuchen angerufen. Weitere ältere Schutzanrufungen betreffen Krämpfe bei Kindern, Koliken und Ruhr.
Für eine moderne Shopseite würde ich davon allerdings nur die wichtigsten und verständlichsten Bezüge hervorheben: Küster, Pilger, Bauern und Pferde/Fuhrleute.
Name und Gedenktag des heiligen Guido
Der ursprüngliche Name des Heiligen lautet Wido; Guido ist die romanische beziehungsweise heute geläufigere Form, im Französischen heißt er Guy. Das Ökumenische Heiligenlexikon deutet den Namen sinngemäß als „der Waldmann“.
Der Gedenk- und Namenstag des hl. Guido von Anderlecht ist der 12. September, sein Todestag im Jahr 1012.
Der heilige Guido von Anderlecht als Holzfigur
Eine Holzfigur des heiligen Guido von Anderlecht zeigt ihn besonders passend als Pilger: mit langem Gewand, Pilgerstab, Gebetskette und Reiseausrüstung. Die Darstellung greift damit unmittelbar die langen Wallfahrten nach Rom und Jerusalem auf.
Als Namensfigur eignet sich Guido besonders für Guido, Wido oder Guy, etwa zum Namenstag am 12. September, zur Taufe oder Firmung. Durch seine Patronate besitzt die Figur außerdem einen persönlichen Bezug zu Küstern, Mesnern, Glöcknern, Pilgern, Bauern und Menschen mit Pferden.