Der heilige Kajus – Papst in einer ungewöhnlichen Ruhephase der frühen Kirche
Der hl. Kajus, auch Gaius oder Caius genannt, leitete die Kirche von Rom am Ende des 3. Jahrhunderts. Sein Pontifikat begann um 283 und endete mit seinem Tod am 22. April 295/296. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt seiner Amtszeit: Kajus stand der römischen Kirche in einer Phase vor, die zwischen früheren Christenverfolgungen und der erst später einsetzenden großen Verfolgung unter Kaiser Diokletian lag. Dadurch konnte sich das kirchliche Leben in Rom zeitweise vergleichsweise geordnet entwickeln. Sein Gedenk- und Namenstag ist der 22. April.
Zwischen zwei Zeiten der Verfolgung
Kajus übernahm die Leitung der Kirche in einer Übergangszeit. Die großen Verfolgungsmaßnahmen Kaiser Diokletians begannen erst einige Jahre nach seinem Tod, sodass seine Amtszeit nicht durchgehend von jener dramatischen Situation geprägt war, mit der die frühe Kirche des beginnenden 4. Jahrhunderts verbunden wird. Das Ökumenische Heiligenlexikon beschreibt seine Amtszeit ausdrücklich als Phase zwischen den Verfolgungen unter Valerian und Diokletian.
Gerade diese ruhigere Phase war für die weitere Organisation der römischen Kirche von Bedeutung.
Kirchliche Ämter sollten einem geordneten Weg folgen
Mit Kajus verbindet die Überlieferung eine stärkere Ordnung der kirchlichen Weiheämter. Nach dem späteren Papstbuch sollte ein zukünftiger Bischof verschiedene kirchliche Dienste durchlaufen, bevor er zum Priester und schließlich zum Bischof geweiht wurde. Vatican News nennt ebenfalls seine Rolle bei der Strukturierung der kirchlichen Weiheordnungen.
Für die Verehrung des hl. Kajus ist dieser Aspekt besonders interessant: Seine Geschichte steht weniger für ein einzelnes spektakuläres Wunder als für Ordnung, kirchliche Verantwortung und Beständigkeit.
Dalmatien und Rom bilden die beiden Pole seiner Geschichte
Nach der Überlieferung stammte Kajus aus Salona in Dalmatien, dem heutigen Solin in Kroatien. Spätere Quellen bringen seine Familie sogar mit Kaiser Diokletian in Verbindung; diese Verwandtschaft ist allerdings historisch nicht sicher nachweisbar.
Seine eigentliche Wirkungsgeschichte gehört nach Rom. Dort leitete er die Kirche über mehr als ein Jahrzehnt und wurde nach seinem Tod in der Kalixtus-Katakombe an der Via Appia beigesetzt.
Sein Grab macht Kajus historisch greifbar
Während viele Einzelheiten seiner Biografie aus späteren Überlieferungen stammen, ist sein Grab ein wichtiger historischer Anhaltspunkt. In der Kalixtus-Katakombe wurden seine Gebeine und seine Grabinschrift wiederentdeckt. Das Grab bestätigt damit die frühe römische Verehrung des Bischofs von Rom.
Gerade bei einem Heiligen mit ansonsten knapper Quellenlage ist dieser konkrete archäologische Bezug besonders wertvoll.
Märtyrer – oder starb Kajus eines natürlichen Todes?
Die ältere Tradition verehrt Kajus als Märtyrer, und auch Vatican News verwendet diese Bezeichnung. Historisch lässt sich ein gewaltsamer Tod jedoch nicht zuverlässig belegen. Die große diokletianische Christenverfolgung begann erst nach seinem Tod; deshalb kennzeichnen moderne Darstellungen das Martyrium teilweise ausdrücklich als unsicher.
Für eine sachlich hochwertige Heiligenseite ist deshalb die Formulierung „traditionell als Märtyrer verehrt“ besser als die uneingeschränkte Aussage, Kajus sei nachweislich während der diokletianischen Verfolgung getötet worden.
Tiara und Doppelkreuz kennzeichnen den Papst
In der traditionellen Kunst wird Kajus in päpstlichen Gewändern mit Tiara und Doppelkreuz dargestellt. Diese Attribute kennzeichnen unmittelbar seine Stellung als Bischof von Rom.
Für eine Holzfigur des hl. Kajus bildet deshalb nicht ein individuelles Martyriumssymbol den Mittelpunkt, sondern vor allem die päpstliche Darstellung.
Der 22. April erinnert an Papst Kajus
Der katholische Gedenk- und Namenstag des hl. Kajus ist der 22. April, sein überlieferter Todestag. Sowohl heilige.de als auch Vatican News und das Ökumenische Heiligenlexikon führen ihn an diesem Datum.
Für euren Heiligenkalender:
Hl. Kajus – 22. April
Der heilige Kajus als Holzfigur
Eine Holzfigur des hl. Kajus erinnert an einen frühen Papst aus jener Epoche, in der die Kirche von Rom ihre Strukturen weiterentwickelte und kurz vor einer der schwersten Verfolgungsphasen ihrer Geschichte stand. Päpstliches Gewand, Tiara und Kreuz kennzeichnen seine kirchliche Aufgabe.
Als Namensfigur eignet sich Kajus besonders zum Namenstag am 22. April, zur Taufe oder Firmung. Durch seine Rolle als früher Bischof von Rom besitzt er außerdem einen besonderen Bezug zu Menschen, die sich für Kirchengeschichte, Rom und die frühe Kirche interessieren.