Karl der Große – Kaiser, Kirchenstifter und Heiliger von Aachen
Karl der Große zählt zu den prägendsten Herrschern des europäischen Mittelalters. Als König der Franken erweiterte er sein Reich über große Teile West- und Mitteleuropas und wurde am 25. Dezember 800 in Rom zum Kaiser gekrönt. Aachen entwickelte er zu einem wichtigen Zentrum seiner Herrschaft. Dort ließ er eine Pfalz und die Marienkirche errichten, aus der der heutige Aachener Dom hervorging. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen und wurde in seiner Kirche bestattet. In Aachen wird er bis heute als Heiliger verehrt.
Aachen wurde zum Mittelpunkt seines Reiches
Karl regierte nicht von einer modernen festen Hauptstadt aus, doch Aachen nahm unter seinen Pfalzen eine besondere Stellung ein. Ab dem späten 8. Jahrhundert ließ er dort eine monumentale Pfalzanlage mit Marienkirche errichten. Der heutige Aachener Dom bewahrt noch wesentliche Teile dieses karolingischen Kirchenbaus.
Die Kirche war für Karl nicht nur ein Repräsentationsbau. Er gründete dort ein Marienstift, dessen Geistliche regelmäßig Chorgebet und Gottesdienste feierten. Gerade deshalb wird Karl in der Kunst häufig mit einem Kirchenmodell dargestellt.
Weihnachten 800 verändert die politische Ordnung Europas
Ein entscheidender Moment seines Lebens fand fern von Aachen statt. Am Weihnachtstag des Jahres 800 krönte Papst Leo III. Karl im Petersdom in Rom zum Kaiser. Damit erhielt die Kaiserwürde im westlichen Europa nach Jahrhunderten eine neue politische Bedeutung.
Karls Reich umfasste große Teile des heutigen Frankreichs, Deutschlands, Italiens und benachbarter Gebiete. Seine politische Wirkung führte später dazu, dass er häufig als eine frühe Symbolfigur Europas beziehungsweise als „Vater Europas“ bezeichnet wurde. Auch der heutige Internationale Karlspreis in Aachen nimmt auf diese europäische Wirkungsgeschichte Bezug.
Bildung und Schrift erhielten unter Karl neues Gewicht
Karls Herrschaft war nicht allein durch Expansion geprägt. An seinem Hof wurden Bildung, Schulen, Schriftkultur und die Überlieferung antiker und christlicher Texte intensiv gefördert. Der Aachener Dom fasst seine Wirkung deshalb ausdrücklich auch als Förderung von Wissenschaften und Künsten zusammen.
Diese sogenannte karolingische Bildungs- und Kulturentwicklung gehört zu den langfristigen Wirkungen seiner Regierungszeit. Sie erklärt zugleich, warum Karl später unter anderem als Patron der Lehrer verehrt wurde.
Seine Herrschaft hatte auch eine gewaltsame Seite
Eine seriöse Darstellung Karls darf seine militärische Expansion nicht ausblenden. Seine jahrzehntelangen Sachsenkriege verbanden politische Unterwerfung und Christianisierung teilweise mit großer Gewalt. Besonders das sogenannte Blutgericht von Verden im Jahr 782, bei dem Quellen von der Tötung zahlreicher Sachsen berichten, gehört zu den problematischsten Ereignissen seiner Herrschaft.
Karl ist deshalb historisch keine eindimensionale Gestalt. Neben Bildungspolitik, Kirchenförderung und europäischer Wirkung stehen Krieg, Machtpolitik und gewaltsame Christianisierung. Auch der Aachener Dom weist ausdrücklich darauf hin, dass sein historisches Erbe heute kontrovers beurteilt wird.
Krone, Reichsapfel und Kirchenmodell prägen die Darstellung
Traditionelle Darstellungen zeigen Karl den Großen als Kaiser mit Krone, Reichsapfel und Schwert. Häufig hält er außerdem ein Kirchenmodell, das besonders auf seine Rolle als Bauherr und Stifter der Aachener Marienkirche verweist.
Damit unterscheidet sich eine Holzfigur Karls deutlich von klassischen Bischofs- oder Märtyrerfiguren. Seine Attribute verbinden kaiserliche Herrschaft und Kirchenstiftung unmittelbar miteinander.
Vom Kaisergrab zum Karlsschrein
Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen und wurde unmittelbar dort bestattet. Im Jahr 1215 wurden große Teile seiner Gebeine in den romanischen Karlsschrein übertragen, der sich heute in der Chorhalle des Aachener Doms befindet.
Aachen blieb dadurch der wichtigste Ort seiner Verehrung. Bis heute wird Ende Januar rund um seinen Todestag das Karlsfest mit einem feierlichen Gottesdienst im Dom begangen.
Eine ungewöhnliche Heiligsprechung mit regionaler Verehrung
Die kirchliche Stellung Karls ist eine Besonderheit. 1165 veranlasste Kaiser Friedrich Barbarossa seine Heiligsprechung durch Gegenpapst Paschalis III. Diese wurde von Rom später nicht allgemein anerkannt. Dennoch wurde die Verehrung Karls in Aachen und Osnabrück zugelassen und blieb insbesondere in Aachen lebendig.
Deshalb wird Karl in Aachen bis heute als Heiliger verehrt, während Heiligenverzeichnisse seinen Status teilweise vorsichtiger als Seliger beziehungsweise lokal verehrter Heiliger einordnen.
Der 28. Januar gehört in Aachen Karl dem Großen
Der Gedenktag Karls ist sein Todestag, der 28. Januar. In Aachen besitzt dieser Termin besondere liturgische und kulturelle Bedeutung; das Ökumenische Heiligenlexikon führt dort sogar ein Hochfest an.
Für euren Heiligenkalender würde ich daher eintragen:
Hl. Karl der Große – 28. Januar
Karl der Große als Holzfigur
Eine Holzfigur Karls des Großen verbindet religiöse Verehrung mit einer der bekanntesten Gestalten europäischer Geschichte. Krone, Reichsapfel, Schwert und Kirchenmodell erinnern an seine Kaiserwürde sowie seine Rolle als Bauherr und Förderer kirchlicher Einrichtungen.
Als Namensfigur eignet sich Karl besonders zum Namenstag am 28. Januar. Darüber hinaus besitzt die Figur einen starken Bezug zu Aachen, Lehrern, europäischer Geschichte und Menschen mit Interesse am karolingischen Mittelalter.