Konstantin der Große – der Kaiser an einem Wendepunkt des Christentums
Konstantin der Große gehört zu den einflussreichsten Herrschern der Spätantike. Seit 306 Kaiser, setzte er sich in mehreren Bürgerkriegen gegen seine Rivalen durch und wurde schließlich Alleinherrscher des Römischen Reiches. Seine besondere Bedeutung für die Geschichte des Christentums begann vor allem mit dem Sieg an der Milvischen Brücke im Jahr 312. Im folgenden Jahr gewährten Konstantin und Licinius den Christen mit der Mailänder Vereinbarung von 313 weitgehende Religionsfreiheit und die Rückgabe beschlagnahmten kirchlichen Besitzes. Konstantin wurde damit zu einem entscheidenden Förderer des Christentums, ohne es bereits zur alleinigen Staatsreligion zu machen.
Ein Sieg vor Rom verändert seine Religionspolitik
Am 28. Oktober 312 besiegte Konstantin seinen Rivalen Maxentius an der Milvischen Brücke vor Rom. Christliche Autoren verbanden den Sieg später mit einer Vision eines christlichen Zeichens und der Überzeugung, unter diesem Zeichen siegen zu können. Historisch wird Konstantins Hinwendung zum Christentum heute eher als längerer Prozess verstanden als als ein einziger plötzlicher Moment.
Nach dem Sieg begann Konstantin das Christentum deutlich stärker zu fördern. Gerade deshalb wurde die Schlacht zu einem Symbol für den grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen römischer Staatsmacht und christlicher Kirche.
313 endet die systematische Benachteiligung der Christen
Mit der sogenannten Mailänder Vereinbarung von 313 sicherten Konstantin und Licinius Christen sowie Angehörigen anderer Religionen das Recht auf freie Religionsausübung zu. Beschlagnahmter kirchlicher Besitz sollte zurückgegeben werden. Damit endete eine Epoche, in der Christen immer wieder staatlicher Verfolgung ausgesetzt gewesen waren.
Wichtig ist die historische Differenzierung: Konstantin machte das Christentum nicht zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Dieser Schritt erfolgte erst später unter Kaiser Theodosius I. Konstantins Bedeutung liegt vielmehr darin, das Christentum rechtlich zuzulassen, zu fördern und ihm erstmals umfangreiche kaiserliche Unterstützung zu geben.
Kirchenbauten machen die neue Stellung des Christentums sichtbar
Konstantins Förderung blieb nicht abstrakt. Unter seiner Herrschaft entstanden einige der bedeutendsten frühchristlichen Kirchenbauten. Die Lateranbasilika in Rom geht auf eine kaiserliche Stiftung Konstantins zurück; auch über den verehrten Orten in Jerusalem und Bethlehem entstanden mit seiner Unterstützung monumentale Kirchen.
Damit erhielt das Christentum erstmals große öffentliche Sakralbauten, die seine neue gesellschaftliche Stellung sichtbar machten. Konstantin wurde so nicht nur politischer Förderer, sondern auch einer der bedeutendsten Bauherren der frühen christlichen Kirche.
Das Konzil von Nizäa bringt Kaiser und Bischöfe zusammen
Im Jahr 325 berief Konstantin das erste Konzil von Nizäa ein. Rund dreihundert Bischöfe kamen zusammen, um insbesondere den Streit um die Göttlichkeit Christi und die Lehre des Arius zu behandeln. Aus dem Konzil ging die Grundlage des nizänischen Glaubensbekenntnisses hervor.
Konstantin war dabei kein Bischof und formulierte nicht selbst die christliche Glaubenslehre. Als Kaiser schuf er jedoch die politischen Voraussetzungen für ein reichsweites Treffen der Bischöfe und griff damit erstmals in großem Maßstab in kirchliche Einheitsfragen ein.
Aus Byzantion wird Konstantinopel
Eine weitere Entscheidung veränderte die politische Landkarte des Reiches dauerhaft. Konstantin baute die alte griechische Stadt Byzantion zu einer neuen kaiserlichen Residenz aus. Im Jahr 330 wurde sie als Konstantinopel eingeweiht.
Die Stadt wurde in den folgenden Jahrhunderten zu einem der wichtigsten politischen und religiösen Zentren der christlichen Welt. Konstantins Name blieb dadurch nicht nur mit Rom und Nizäa, sondern auch dauerhaft mit dem späteren Byzantinischen Reich verbunden.
Zepter und Reichsapfel zeigen Konstantin als Kaiser
Die verbreitete Grödner Holzfigur des hl. Konstantin des Großen zeigt ihn nicht als Mönch, Bischof oder Märtyrer, sondern konsequent als Herrscher: in kaiserlichem Ornat mit Zepter und Reichsapfel.
Der Reichsapfel verweist auf die universale Herrschaft des Kaisers, das Zepter auf seine weltliche Autorität. Gerade diese Attribute machen deutlich, dass Konstantins Bedeutung innerhalb der Heiligenverehrung untrennbar mit seiner Stellung als römischer Kaiser verbunden ist.
Helena gehört unmittelbar zu seiner Geschichte
Konstantins Mutter, die hl. Helena, spielt in der christlichen Überlieferung ebenfalls eine bedeutende Rolle. Sie wurde selbst als Heilige verehrt und ist besonders mit Jerusalem und der Tradition der Auffindung des Kreuzes Christi verbunden. Vatican News nennt den 21. Mai als gemeinsamen östlichen Festtermin von Konstantin und Helena.
Damit ergibt sich eine besonders starke Verbindung zwischen beiden Figuren: Konstantin steht für die politische Förderung des Christentums, Helena für die Verehrung der heiligen Stätten und des Kreuzes.
Seine Taufe erfolgte erst am Ende seines Lebens
Obwohl Konstantin das Christentum jahrzehntelang förderte, empfing er die Taufe erst kurz vor seinem Tod im Jahr 337. Er starb am 22. Mai und wurde in der Apostelkirche in Konstantinopel bestattet.
Diese späte Taufe gehört zu den Gründen, weshalb seine persönliche Religiosität historisch differenziert beurteilt wird. Seine politische Bedeutung für die Entwicklung des Christentums steht dagegen außer Frage.
Der 21. Mai erinnert an Konstantin und Helena
In den orthodoxen Kirchen wird Konstantin gemeinsam mit seiner Mutter Helena am 21. Mai als Heiliger und „Apostelgleicher“ gefeiert. Auch deutschsprachige Heiligenverzeichnisse führen Konstantin am 21. Mai; in der römischen Kirche blieb seine Verehrung jedoch deutlich begrenzter als im Osten.
Für euren Heiligenkalender würde ich daher eintragen:
Hl. Konstantin der Große – 21. Mai
Konstantin der Große als Holzfigur
Eine Holzfigur Konstantins des Großen zeigt einen Kaiser, dessen Regierungszeit einen grundlegenden Wandel für das Christentum einleitete. Zepter, Reichsapfel und kaiserliches Gewand verweisen auf jene politische Macht, mit der Konstantin Religionsfreiheit ermöglichte, Kirchenbauten förderte und das Konzil von Nizäa einberief.
Als Namensfigur eignet sich Konstantin besonders für Konstantin, Constantin, Costantino oder Constantine, etwa zum Namenstag am 21. Mai. Darüber hinaus besitzt die Figur einen starken Bezug zu Menschen mit Interesse an Kirchengeschichte, römischer Geschichte, Konstantinopel und der Spätantike.