Die heilige Ottilie – Schutzpatronin der Augen und Patronin des Elsass
Ein Buch mit zwei darauf liegenden Augen macht die heilige Ottilie auf vielen Darstellungen unverwechselbar. Das ungewöhnliche Attribut erinnert an die bekannteste Überlieferung ihres Lebens: Ottilie soll blind geboren worden sein und bei ihrer Taufe das Augenlicht erhalten haben. Bis heute wird die hl. Ottilie von Hohenburg deshalb besonders als Schutzpatronin der Augen und bei Augenleiden verehrt.
Ottilie – auch Odilia genannt – lebte vermutlich im 7. und frühen 8. Jahrhundert. Ihre Geschichte ist eng mit dem Elsass und besonders mit dem heutigen Mont Sainte-Odile, dem Odilienberg, verbunden.
Über ihr Leben berichten mittelalterliche Quellen, die erst längere Zeit nach ihrem Tod entstanden. Viele Einzelheiten ihrer bekannten Lebensgeschichte gehören deshalb zur Legendenüberlieferung und lassen sich historisch nicht sicher nachweisen.
Wer war die heilige Ottilie?
Der Überlieferung zufolge war Ottilie die Tochter des elsässischen Herzogs Eticho, auch Adalrich genannt, und seiner Frau Berswinda.
Das Kind soll blind zur Welt gekommen sein. Ihr Vater habe die Behinderung seiner Tochter als Schande empfunden und sie zurückgewiesen. Um Ottilie zu schützen, sei sie deshalb fern von ihrer Familie aufgewachsen.
Ein entscheidender Moment ihrer Legende ist ihre Taufe.
Der Überlieferung zufolge taufte ein Bischof das Mädchen und gab ihm den Namen Odilia. Bei der Taufe soll Ottilie auf wundersame Weise ihr Augenlicht erhalten haben.
Diese Erzählung begründete später ihre enge Verbindung zu Augen, Sehvermögen und Augenkrankheiten.
Warum trägt die heilige Ottilie Augen auf einem Buch?
Das bekannteste Attribut der hl. Ottilie ist ein aufgeschlagenes Buch mit zwei Augen.
Die Augen erinnern an die Legende ihrer Blindheit und der Heilung bei der Taufe. Das Buch verweist zugleich auf ihren religiösen Lebensweg und ihre Stellung als Äbtissin.
Dieses Attribut ist so charakteristisch, dass sich eine Ottilie-Figur häufig unmittelbar daran erkennen lässt.
Daneben kann die Heilige mit Äbtissinnenstab, Schleier oder Ordensgewand dargestellt werden.
Ottilie und der Odilienberg
Nach ihrer Rückkehr in die Heimat kam es der Überlieferung zufolge zunächst zu schweren familiären Konflikten. Schließlich erhielt Ottilie von ihrem Vater die Hohenburg, wo sich eine religiöse Frauengemeinschaft entwickelte.
Ottilie wurde deren Äbtissin.
Die hoch auf einem Berg gelegene Anlage wurde zum Mittelpunkt ihrer Verehrung und trägt heute ihren Namen: Mont Sainte-Odile beziehungsweise Odilienberg.
Der Odilienberg gehört bis heute zu den bedeutenden religiösen Orten des Elsass und ist eng mit der Erinnerung an die Heilige verbunden.
Neben dem Kloster auf dem Berg wird Ottilie auch mit der Gründung beziehungsweise Entwicklung des tiefer gelegenen Klosters Niedermünster in Verbindung gebracht.
Die Quelle der heiligen Ottilie
Eine weitere bekannte Überlieferung betrifft eine Quelle am Odilienberg.
Ottilie soll dort einen erschöpften beziehungsweise kranken Mann getroffen haben. Um ihm zu helfen, habe sie mit ihrem Stab gegen einen Felsen geschlagen, worauf Wasser hervorsprudelte.
Die sogenannte Ottilienquelle wurde später besonders von Menschen aufgesucht, die sich Hilfe bei Augenleiden erhofften.
Damit entstand neben dem Buch mit den Augen ein weiterer wichtiger Bestandteil ihrer Verehrung.
Schutzpatronin der Augen
Die hl. Ottilie gilt traditionell als Patronin der Augenkranken und Blinden. Sie wird bei Augenleiden und Problemen mit dem Sehvermögen angerufen.
Diese Verbindung erklärt sich unmittelbar aus ihrer Lebenslegende.
Gleichzeitig ist Ottilie die Patronin des Elsass. Dort gehört sie zu den wichtigsten regionalen Heiligen und ist bis heute eng mit dem Odilienberg verbunden.
Ihre Verehrung reicht jedoch weit über das Elsass hinaus. Kirchen, Kapellen und Wallfahrtsorte im deutschsprachigen Raum tragen ihren Namen.
Ottilie oder Odilia?
Für die Bezeichnung der Heiligen begegnen mehrere Namensformen.
Im Deutschen ist Ottilie besonders geläufig. Daneben finden sich Odilia, Odilie und Ottilia.
Der französische Name Odile ist vor allem aufgrund des elsässischen Wallfahrtsortes Mont Sainte-Odile verbreitet.
Für eine deutsche Shopseite bietet sich deshalb „Heilige Ottilie“ als Hauptbezeichnung an. Die Varianten Odilia und Odile helfen zugleich dabei, die historische Heilige und ihren Wallfahrtsort eindeutig einzuordnen.
Gedenktag und Namenstag der heiligen Ottilie
Der Gedenktag der hl. Ottilie ist der 13. Dezember.
Damit fällt ihr Fest auf denselben Tag wie der Gedenktag der heiligen Luzia. Bemerkenswert ist, dass beide Heiligen traditionell mit den Augen und dem Sehvermögen verbunden sind, obwohl ihre jeweiligen Lebensgeschichten und Attribute unterschiedlich sind.
Für Frauen namens Ottilie, Odilia oder verwandten Namensformen ist der 13. Dezember entsprechend ein wichtiger Namenstag.
Die heilige Ottilie als Holzfigur
Eine Holzfigur der heiligen Ottilie ist durch ihre charakteristischen Attribute meist gut zu erkennen. Besonders das Buch mit den beiden Augen verweist unmittelbar auf die Patronin der Augenkranken.
Je nach Darstellung können außerdem Äbtissinnenstab, Schleier oder Ordensgewand hinzukommen. Dadurch verbindet die Figur ihre Legende von der wiedererlangten Sehkraft mit Ottilies späterer Rolle als Äbtissin.
Eine geschnitzte Ottilie eignet sich als persönliche Namenspatronin, zum Namenstag, zur Taufe oder Firmung. Durch ihr Patronat besitzt sie außerdem einen besonderen religiösen Bezug zu Menschen, die um den Schutz der Augen bitten.
Auch für Menschen mit einer persönlichen Verbindung zum Elsass oder zum Odilienberg ist die hl. Ottilie eine bedeutende Heiligengestalt.