Die heilige Paula – von Rom nach Bethlehem
Sie gehörte zur wohlhabenden Oberschicht Roms, verließ nach dem Tod ihres Mannes jedoch ihre vertraute Lebenswelt und begann einen vollkommen anderen Lebensabschnitt. Die heilige Paula von Rom reiste ins Heilige Land und ließ sich schließlich in Bethlehem nieder. Dort gründete sie gemeinsam mit ihrem Umfeld klösterliche Gemeinschaften und wurde zu einer der bedeutenden christlichen Frauen der Spätantike.
Wer war die heilige Paula?
Die hl. Paula von Rom, auch Paula die Ältere genannt, wurde 347 in Rom geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden und angesehenen Familie der römischen Aristokratie.
Paula heiratete Toxotius und wurde Mutter mehrerer Kinder. Nach dem frühen Tod ihres Mannes entschied sie sich zunehmend für ein religiös und asketisch geprägtes Leben.
Sie gehörte zu einem Kreis christlicher Frauen in Rom, die sich intensiv mit der Bibel beschäftigten und eine einfachere Lebensweise anstrebten.
Eine entscheidende Persönlichkeit innerhalb dieses Kreises war der Kirchenlehrer Hieronymus.
Paula und der heilige Hieronymus
Hieronymus hielt sich in den 380er-Jahren in Rom auf und wurde zum geistlichen Lehrer eines Kreises gebildeter christlicher Frauen. Zu ihnen gehörten neben Paula auch ihre Tochter Eustochium und die römische Adelige Marcella.
Paula beschäftigte sich intensiv mit der Heiligen Schrift und lernte unter anderem Hebräisch, um biblische Texte besser verstehen zu können.
Die Verbindung zu Hieronymus sollte ihr weiteres Leben entscheidend prägen.
Nachdem Hieronymus Rom verlassen hatte, brach auch Paula zu einer ausgedehnten Pilgerreise auf.
Abschied von Rom
Im Jahr 385 verließ Paula Rom.
Dieser Schritt war für eine Frau ihrer gesellschaftlichen Stellung außergewöhnlich. Sie ließ einen großen Teil ihres bisherigen Lebens zurück und reiste in den östlichen Mittelmeerraum.
Ihr Weg führte zunächst zu bedeutenden Orten der christlichen Tradition. Paula besuchte das Heilige Land und reiste anschließend auch nach Ägypten, wo sie die dortigen Mönchs- und Einsiedlergemeinschaften kennenlernte.
Schließlich kehrte sie nach Palästina zurück.
Bethlehem wurde zu ihrer neuen Heimat.
Klostergründungen in Bethlehem
In Bethlehem gründete Paula religiöse Gemeinschaften für Frauen und unterstützte auch die Entstehung eines Männerklosters unter der Leitung des Hieronymus.
Außerdem wurde ein Gästehaus für Pilger eingerichtet.
Damit entwickelte sich Bethlehem nicht nur zu einem Ort persönlichen Rückzugs. Paula verwendete ihr Vermögen und ihre organisatorischen Möglichkeiten zum Aufbau dauerhafter Einrichtungen.
Die Lage unmittelbar am traditionellen Geburtsort Jesu gab dem gemeinsamen Leben zugleich eine besondere religiöse Bedeutung.
Paula und die Bibel
Paulas Bedeutung beschränkt sich nicht auf ihre Klostergründungen.
Sie gehörte zu den gebildeten Frauen im Umfeld des Hieronymus, die sich intensiv mit den biblischen Texten beschäftigten. Gemeinsam mit ihrer Tochter Eustochium unterstützte sie seine wissenschaftliche und übersetzerische Arbeit.
Hieronymus arbeitete in Bethlehem an jener lateinischen Bibelübersetzung, die später unter dem Namen Vulgata große Bedeutung für die westliche Kirche erhielt.
Paulas genaue Rolle darf dabei nicht überzeichnet werden: Sie war nicht selbst die Übersetzerin der Vulgata. Als Förderin, Gesprächspartnerin und Mitglied des gelehrten Kreises um Hieronymus gehörte sie jedoch zu dessen wichtigem Umfeld.
Fürsorge und Umgang mit ihrem Vermögen
Paula verwendete große Teile ihres Vermögens für religiöse Einrichtungen und zur Unterstützung Bedürftiger.
Hieronymus schildert ihre Freigebigkeit sehr eindrücklich. Ihre Bereitschaft zu geben war nach seiner Darstellung so ausgeprägt, dass sie schließlich selbst nur noch über begrenzte finanzielle Mittel verfügte.
Das macht Paula zu einer interessanten Persönlichkeit: Ihr Verzicht bestand nicht nur darin, Rom zu verlassen. Sie setzte die Möglichkeiten ihrer Herkunft gezielt für Klöster, Pilger und Bedürftige ein.
Welche Attribute hat die heilige Paula?
Die hl. Paula besitzt kein einzelnes Attribut, das ähnlich eindeutig wäre wie die Sichel der Notburga oder die Augen der Ottilie.
Sie wird häufig als Witwe oder Ordensfrau dargestellt. Ein Buch kann auf ihre intensive Beschäftigung mit der Heiligen Schrift hinweisen. Auch ein Kreuz oder Pilgerzeichen können ihren religiösen Lebensweg verdeutlichen.
Je nach Darstellung können weitere Attribute hinzukommen.
Bei einer geschnitzten Paula sollte deshalb immer die konkrete Figur betrachtet werden, bevor einzelne Attribute verbindlich hinterlegt werden.
Paula als Patronin der Witwen
Paulas Lebensweg erhielt seine entscheidende Wendung nach dem Tod ihres Mannes. Deshalb wird sie besonders mit Witwen verbunden.
Ihre Geschichte zeigt dabei Witwenschaft nicht nur als persönlichen Verlust. Paula nutzte den neuen Lebensabschnitt für eine weitreichende Veränderung: Sie widmete sich intensiver dem christlichen Glauben, verließ Rom, wurde Pilgerin und gründete später religiöse Gemeinschaften.
Damit unterscheidet sie sich deutlich von vielen Märtyrerinnen und Jungfrauen der frühen Kirche.
Der Tod der heiligen Paula
Paula starb am 26. Januar 404 in Bethlehem.
Hieronymus verfasste nach ihrem Tod einen ausführlichen Nachruf, der zugleich eine der wichtigsten Quellen zu ihrem Leben darstellt. Darin beschreibt er ihre Herkunft, Familie, Reisen, Frömmigkeit und ihr gemeinsames Wirken in Bethlehem.
Paula wurde in Bethlehem bestattet.
Ihr Gedenktag wird bis heute am 26. Januar begangen.
Die heilige Paula als Holzfigur
Eine Holzfigur der heiligen Paula erinnert an eine der bemerkenswerten christlichen Frauen der Spätantike. Je nach Darstellung können Buch, Kreuz oder schlichtes Gewand ihre Beschäftigung mit der Bibel und ihr asketisches Leben aufgreifen.
Für Frauen namens Paula ist die Heilige eine persönliche Namenspatronin. Eine Figur eignet sich deshalb besonders zum Namenstag am 26. Januar, zur Taufe, Firmung oder als religiöses Geschenk.
Ihre Biografie bietet darüber hinaus Bezüge zu Witwen, Pilgern und Menschen, die nach einem einschneidenden Lebensereignis einen neuen Weg beginnen.