Die heilige Ruth – Ahnfrau Davids und Frau des Vertrauens
Ihre bekannteste Entscheidung beginnt nicht mit Macht oder einem Wunder, sondern mit Treue zu einem anderen Menschen. Ruth verlässt nach dem Tod ihres Mannes ihre Heimat Moab und folgt ihrer Schwiegermutter Noomi nach Bethlehem. Das biblische Buch Ruth erzählt daraus eine Geschichte über Verbundenheit, Neubeginn und Zugehörigkeit.
Ruth gehört zu den Frauen des Alten Testaments und wird in der christlichen Tradition als Ahnfrau König Davids verehrt. Über diese Abstammung erscheint sie später auch im Stammbaum Jesu im Matthäusevangelium.
Wer war Ruth in der Bibel?
Ruth war eine Moabiterin, also eine Frau aus Moab östlich des Toten Meeres.
Das Buch Ruth erzählt, dass eine israelitische Familie wegen einer Hungersnot von Bethlehem nach Moab auswanderte. Zu dieser Familie gehörten Elimelech, seine Frau Noomi und ihre beiden Söhne.
Die Söhne heirateten moabitische Frauen. Eine von ihnen war Ruth.
Nach dem Tod Elimelechs und beider Söhne blieb Noomi mit ihren beiden Schwiegertöchtern zurück. Sie entschied sich schließlich, in ihre Heimat Bethlehem zurückzukehren.
Ruth hätte in Moab bleiben können.
Stattdessen entschied sie sich, Noomi zu begleiten.
Ruth und Noomi
Die Beziehung zwischen Ruth und Noomi gehört zu den bekanntesten Frauenbeziehungen der Bibel.
Noomi versuchte zunächst, Ruth davon zu überzeugen, bei ihrem eigenen Volk zu bleiben und ein neues Leben zu beginnen. Ruth widersprach und erklärte, dass sie mit Noomi gehen wolle.
Damit traf sie eine weitreichende Entscheidung: Sie verließ Heimat, Familie und vertraute Umgebung und ging mit ihrer verwitweten Schwiegermutter in ein für sie fremdes Land.
Ruths Treue zu Noomi wurde deshalb zum zentralen Motiv ihrer biblischen Geschichte.
Ruth in Bethlehem
Als Ruth und Noomi nach Bethlehem kamen, verfügten sie nur über geringe wirtschaftliche Mittel.
Ruth begann deshalb, während der Gerstenernte auf den Feldern Ähren aufzulesen, die die Schnitter zurückgelassen hatten.
Dieses Nachlesen war im israelitischen Recht eine Möglichkeit, armen Menschen, Fremden und Witwen einen Anteil an der Ernte zu ermöglichen.
Ruth gelangte dabei auf ein Feld des wohlhabenden Grundbesitzers Boas.
Ruth und Boas
Boas erfuhr, wie Ruth ihre Schwiegermutter begleitet und für sie gesorgt hatte.
Er behandelte sie freundlich und sorgte dafür, dass sie auf seinen Feldern sicher arbeiten und genügend Getreide sammeln konnte.
Im weiteren Verlauf der Erzählung übernimmt Boas die Rolle eines Lösers beziehungsweise Verwandten, der Verantwortung für die Familie übernimmt.
Ruth und Boas heirateten schließlich.
Aus ihrer Ehe ging ein Sohn namens Obed hervor.
Obed wurde der Vater Isais und damit der Großvater König Davids.
Warum ist Ruth für das Christentum bedeutend?
Ruth ist zunächst eine zentrale Frauengestalt der hebräischen Bibel.
Für die christliche Tradition erhält sie zusätzlich Bedeutung, weil sie in der Abstammungslinie Davids steht.
Das Matthäusevangelium nennt Ruth ausdrücklich im Stammbaum Jesu.
Damit gehört sie zu den wenigen Frauen, die dort namentlich aufgeführt werden.
Bemerkenswert ist außerdem ihre Herkunft: Ruth war keine Israelitin, sondern eine Moabiterin.
Ihre Geschichte zeigt damit, dass Zugehörigkeit in der biblischen Überlieferung nicht allein über Herkunft bestimmt wird. Ruth wird trotz ihrer fremden Herkunft Teil der Geschichte Israels und schließlich Ahnfrau Davids.
Warum wird Ruth mit Ähren dargestellt?
Die Getreideähren gehören zu den charakteristischsten Attributen Ruths.
Sie erinnern an die Szene auf den Feldern des Boas, wo Ruth während der Ernte liegen gebliebene Ähren sammelte.
Deshalb erscheint sie in der Kunst häufig mit:
Getreideähren • Garbe • Erntekorb
Diese Attribute ermöglichen eine besonders klare Identifizierung der biblischen Ruth.
Bei einer geschnitzten Ruth-Figur ist deshalb wichtig zu prüfen, welche Form der Erntedarstellung das konkrete Modell verwendet.
Was bedeutet der Name Ruth?
Der hebräische Name Ruth wird traditionell mit „Freundschaft“ beziehungsweise „Gefährtin“ in Verbindung gebracht. Das Ökumenische Heiligenlexikon nennt ausdrücklich „Freundschaft“ als Namensbedeutung.
Diese Bedeutung passt auffallend gut zur biblischen Erzählung, in der Ruth vor allem durch ihre Verbundenheit mit Noomi bekannt wird.
Ruth als Ahnfrau Davids
Die Bedeutung Ruths endet nicht mit ihrer Hochzeit mit Boas.
Ihr Sohn Obed wurde der Vater von Isai, und Isai wiederum der Vater König Davids.
Deshalb wird Ruth in christlichen Heiligenkalendern als Ahnfrau Davids bezeichnet. Genau so führt sie auch das Bistum Augsburg.
Über die davidische Abstammungslinie wurde Ruth später in den christlichen Stammbaum Jesu eingeordnet.
Namenstag der heiligen Ruth
Der katholische Gedenktag Ruths wird am 1. September geführt.
Das Ökumenische Heiligenlexikon nennt zusätzlich den 14. September als weiteren katholischen Gedenktermin. Für unsere Seite würde ich jedoch den im Bistum Augsburg verwendeten 1. September als Hauptdatum verwenden.
Die heilige Ruth als Holzfigur
Eine Holzfigur der heiligen Ruth lässt sich besonders durch ihre Verbindung zur Ernte erkennen.
Getreideähren, eine Garbe oder ein Erntekorb erinnern an ihre Arbeit auf dem Feld des Boas. Gerade diese natürlichen Attribute unterscheiden Ruth deutlich von Märtyrerinnen, Ordensfrauen oder königlichen Heiligenfiguren.
Eine Ruth-Figur eignet sich als persönliche Namensfigur zum Namenstag am 1. September, zur Taufe oder Firmung.
Durch ihre biblische Geschichte kann sie außerdem ein besonderes Geschenk für Menschen sein, denen Freundschaft, familiäre Verbundenheit, Neuanfang oder Heimatwechsel viel bedeuten.