Werner von Oberwesel – eine historische Figur zwischen Volksverehrung und Erinnerung
Werner von Oberwesel, auch Werner von Bacharach genannt, war ein junger Tagelöhner aus dem Hunsrück, der 1287 im Gebiet des Mittelrheins gewaltsam ums Leben kam. Er arbeitete bei einem Weinbauern und wurde nach seinem ungeklärten Tod rasch zum Gegenstand einer regionalen Volksverehrung. Im Laufe des Mittelalters entstanden um seinen Tod Legenden, die Juden zu Unrecht eines Ritualmordes beschuldigten. Diese Behauptungen waren falsch und führten zu schweren antijüdischen Verfolgungen. Werner wurde nie offiziell heiliggesprochen; sein früherer Gedenktag wurde 1963 im Bistum Trier abgeschafft.
Ein junger Arbeiter aus dem Hunsrück
Werner wurde um 1271 in Womrath im Hunsrück geboren und stammte aus einfachen Verhältnissen. Als Jugendlicher verdingte er sich als Tagelöhner bei einem Weinbauern im Gebiet von Oberwesel und Bacharach. Im Frühjahr 1287 wurde er tot aufgefunden. Die tatsächlichen Umstände seines Todes konnten nicht geklärt werden. Moderne Darstellungen halten unter anderem ein Gewalt- oder Sexualdelikt für möglich.
Seine Herkunft und seine Arbeit im Weinbau prägten die spätere regionale Erinnerung an Werner stark.
Aus einem ungeklärten Mord entsteht eine problematische Legende
Nach Werners Tod verbreitete sich die Behauptung, Juden hätten den Jugendlichen aus religiösen Gründen getötet. Solche sogenannten Ritualmordlegenden gehörten zu den gefährlichsten antijüdischen Falschbehauptungen des Mittelalters. Sie hatten keine sachliche Grundlage und wurden immer wieder genutzt, um jüdische Gemeinden zu verfolgen.
Auch im Zusammenhang mit Werner führte die Legende zu Gewalt. Das Ökumenische Heiligenlexikon berichtet, dass allein in Oberwesel und Boppard mehr als 40 jüdische Menschen den daraus entstandenen Verfolgungen zum Opfer fielen. Selbst König Rudolf und kirchliche Autoritäten hielten die Anschuldigungen gegen die jüdische Bevölkerung für unbegründet.
Trotzdem entwickelte sich eine jahrhundertelange Volksverehrung
Werner wurde in Bacharach bestattet, und schon wenige Jahre später entstand dort eine ihm gewidmete Märtyrerkapelle. Eine offizielle päpstliche Heiligsprechung erfolgte jedoch nie. Trotzdem entwickelte sich am Mittelrhein eine starke Volksverehrung, die später auch andere Regionen erreichte.
Im Weinbau wurde Werner schließlich als „Winzerknabe“ und regional als einer der Weinheiligen verehrt. Zu seinen traditionellen Attributen gehören Hacke und Wanne, die auf seine Tätigkeit als junger Arbeiter im Weinbau verweisen.
Weinbau und Mittelrhein prägen seine Darstellung
Die historische Verbindung zum Weinbau ist für Darstellungen Werners besonders wichtig. Das Ökumenische Heiligenlexikon nennt Hacke und Wanne als Attribute und führt ihn traditionell als Patron der Winzer. Noch heute erinnert ein Weinlehrpfad bei Oberwesel an die frühere regionale Verehrung des „Winzerknaben Werner“.
Die von Demi Art angebotene Holzfigur trägt ausdrücklich die Bezeichnung Werner von Oberwesel. Damit gehört sie zu dieser historischen Verehrungstradition am Mittelrhein.
Bacharach wurde vom Kultort zum Ort der Erinnerung
Die Ruine der ehemaligen Wernerkapelle in Bacharach erinnert heute nicht mehr unkritisch an die mittelalterliche Legende. 1996 wurde dort eine Gedenktafel angebracht, die an christliche Schuld gegenüber Juden erinnert; später wurde die Kapelle auch für Projekte des interreligiösen Dialogs genutzt.
Damit hat sich die Bedeutung des Ortes grundlegend verändert: Aus einem Ort einer problematischen mittelalterlichen Verehrung wurde zugleich ein Mahn- und Erinnerungsort gegen Antijudaismus.
Der frühere Werner-Gedenktag wurde abgeschafft
Werner von Oberwesel wurde nie offiziell heiliggesprochen. Sein regionaler Gedenktag lag früher am 19. April, teilweise wurde auch der 18. April genannt. Im Bistum Trier wurde der Gedenktag 1963 aus dem Kalender gestrichen.
Für eine heutige Darstellung sollte deshalb nicht einfach von einem regulären kirchlichen Gedenktag gesprochen werden.
Werner von Oberwesel als Holzfigur
Eine Holzfigur Werner von Oberwesels gehört zu einer jahrhundertealten regionalen Bildtradition des Mittelrheins. Seine Darstellung erinnert an einen jungen Weinbergarbeiter, dessen ungeklärter Tod zunächst zu einer Volksverehrung führte, aber zugleich Ausgangspunkt einer schwerwiegenden antijüdischen Legende wurde.
Heute lässt sich die Figur deshalb am verantwortungsvollsten als historische Darstellung einer früheren Volksverehrung verstehen. Für Menschen namens Werner kann sie einen Namensbezug besitzen; zugleich sollte ihre Geschichte immer mit der notwendigen historischen Einordnung erzählt werden.