HEILIGE & IHRE GESCHICHTEN
Heiligenfiguren begegnen uns seit Jahrhunderten in Kirchen, Kapellen und privaten Häusern. Viele lassen sich bereits an einem bestimmten Gegenstand erkennen: Der heilige Florian trägt einen Wasserkübel, Christophorus das Christuskind und Barbara einen Turm. Diese sogenannten Attribute erzählen von der Geschichte des jeweiligen Heiligen und halfen schon früher dabei, ihn auf Bildern und Skulpturen eindeutig zu erkennen.
Hinter den Figuren stehen Menschen, deren Lebensgeschichten, Legenden und Glauben über Generationen weitergegeben wurden. Einige gelten als Schutzpatrone bestimmter Berufe, Orte oder Lebenssituationen, andere werden aufgrund besonderer Ereignisse ihres Lebens verehrt. Dadurch entwickelten sich charakteristische Darstellungen, die Bildhauer und Holzschnitzer bis heute aufgreifen.
In diesem Beitrag stellen wir die bekanntesten Heiligenfiguren und ihre Bedeutung vor. Wir erklären, an welchen Attributen Sie die einzelnen Heiligen erkennen, wofür sie als Schutzpatrone stehen und welche Geschichten hinter ihren traditionellen Darstellungen stecken.
Kurz zusammengefasst
Heiligenfiguren stellen Heilige mit charakteristischen Merkmalen dar, die auf ihre Lebensgeschichte, Legenden oder ihr Wirken verweisen. Typische Attribute wie Schlüssel, Turm, Schwert oder bestimmte Tiere helfen dabei, die dargestellten Heiligen zu erkennen. Viele von ihnen gelten zudem als Schutzpatrone für bestimmte Berufe, Orte oder Lebenssituationen. Wer die wichtigsten Attribute und ihre Bedeutung kennt, kann Heiligenfiguren leichter zuordnen und die Geschichten hinter ihren Darstellungen besser verstehen.
In diesem Artikel
1. Warum Heilige mit bestimmten Attributen dargestellt werden
Wer eine Heiligenfigur betrachtet, entdeckt häufig Gegenstände oder Symbole, die auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen: einen Schlüssel, ein Schwert, einen Turm, eine Lilie oder ein Tier. Diese Merkmale sind bewusst gewählt. In der christlichen Kunst dienen sie als sogenannte Attribute, anhand derer ein Heiliger erkannt und von anderen unterschieden werden kann.
Die Entstehung dieser Bildsprache reicht weit zurück. Über Jahrhunderte wurden Geschichten über das Leben, Wirken und teilweise auch das Martyrium der Heiligen weitergegeben. Bestimmte Ereignisse oder Legenden wurden dabei so eng mit einer Person verbunden, dass daraus charakteristische Symbole für ihre Darstellung entstanden.
So trägt beispielsweise der heilige Petrus einen Schlüssel, weil ihm in der christlichen Überlieferung die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut werden. Der heilige Florian wird häufig mit einem brennenden Gebäude und einem Gefäß mit Wasser dargestellt – ein Hinweis auf die Legende, nach der er ein Feuer gelöscht haben soll. Bei der heiligen Barbara gehört dagegen der Turm zu den wichtigsten Erkennungsmerkmalen ihrer Darstellung.
Attribute können aber auch auf einen Beruf, eine besondere Tugend oder die Art des Martyriums hinweisen. Manche Heilige besitzen deshalb mehrere typische Kennzeichen. Welche davon dargestellt werden, kann je nach Epoche, Region und künstlerischer Interpretation unterschiedlich sein.
Gerade bei geschnitzten Heiligenfiguren sind diese Details besonders wichtig. Sie machen aus der Darstellung eines Menschen eine eindeutig zuordenbare Heiligenfigur und erzählen zugleich einen Teil ihrer Geschichte. Wer die wichtigsten Attribute kennt, kann deshalb viele Heilige erkennen, noch bevor er den Namen der Figur gelesen hat.
2. Der heilige Christophorus – Schutzpatron der Reisenden
Der heilige Christophorus gehört zu den bekanntesten Heiligen der christlichen Tradition. Besonders häufig begegnet man seiner Darstellung als Schutzfigur für Reisende und unterwegs – etwa in Fahrzeugen, an Hauseingängen oder als kleine Figur und Plakette. Sein Gedenktag wird in der katholischen Kirche am 24. Juli begangen.
Unverwechselbar macht ihn vor allem seine Darstellung mit dem Christuskind auf der Schulter. Der Legende nach wollte Christophorus dem mächtigsten Herrscher der Welt dienen. Schließlich lebte er als Fährmann an einem gefährlichen Fluss und half Reisenden, das Wasser zu überqueren. Eines Tages bat ihn ein Kind darum, auf die andere Seite getragen zu werden.
Während der Überquerung wurde das Kind auf seinen Schultern immer schwerer. Am anderen Ufer offenbarte es sich der Überlieferung nach als Christus und erklärte, Christophorus habe mit ihm zugleich die Last der Welt getragen. Aus dieser Legende erklärt sich auch sein Name: Christophorus bedeutet sinngemäß „Christusträger“.
In Heiligenfiguren wird Christophorus deshalb meist als kräftiger Mann dargestellt, der sich auf einen Stab stützt und das Jesuskind auf seiner Schulter trägt. Häufig deutet Wasser zu seinen Füßen zusätzlich die Überquerung des Flusses an. Durch diese charakteristische Szene lässt er sich unter den Heiligenfiguren besonders leicht erkennen.
Traditionell gilt der heilige Christophorus als Schutzpatron der Reisenden und Verkehrsteilnehmer. Seine Darstellung steht damit für Schutz und Begleitung auf dem Weg – ein Grund, weshalb Christophorusfiguren bis heute häufig als Geschenk zur Reise, zum Führerschein oder für ein neues Fahrzeug gewählt werden.
Gut zu wissen
Was bedeutet eigentlich „Schutzpatron“?
Als Schutzpatron wird ein Heiliger bezeichnet, dem in der christlichen Tradition eine besondere Fürsprache für bestimmte Menschen, Berufe, Orte oder Lebenssituationen zugeschrieben wird. So gilt der heilige Christophorus beispielsweise als Schutzpatron der Reisenden, während andere Heilige mit Handwerkern, Feuerwehrleuten, Familien oder bestimmten Regionen verbunden sind.
Diese Zuordnungen entstanden häufig aus der Lebensgeschichte, dem Wirken oder den überlieferten Legenden eines Heiligen. Deshalb erklären Schutzpatronat und typische Attribute oft gemeinsam, warum eine Heiligenfigur auf eine bestimmte Weise dargestellt wird.
3. Der heilige Florian – Schutzpatron der Feuerwehr
Der heilige Florian gehört besonders im süddeutschen und österreichischen Raum zu den bekanntesten Heiligen. Seine Darstellung findet sich an Kirchen und Häusern ebenso wie in Feuerwehrhäusern. Sein Gedenktag ist der 4. Mai, der heute vielerorts auch als Florianstag von Feuerwehren begangen wird.
Florian lebte zur Zeit des Römischen Reiches und soll als hoher Verwaltungsbeamter in der Provinz Noricum tätig gewesen sein. Während der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian setzte er sich der Überlieferung nach für verfolgte Christen ein. Er wurde daraufhin verhaftet und im Jahr 304 in der Enns ertränkt. Als Märtyrer entwickelte sich Florian später zu einem der bedeutenden Heiligen des Alpenraums.
Besonders leicht lässt sich eine Florianfigur an ihren typischen Attributen erkennen. Meist trägt er die Kleidung eines römischen Soldaten und hält ein Gefäß oder einen Wasserkübel in der Hand. Zu seinen Füßen befindet sich häufig ein brennendes Haus, über das er Wasser gießt. Diese Darstellung geht auf die Legende zurück, Florian habe ein brennendes Gebäude mit nur einem Gefäß Wasser gelöscht.
Aus dieser Überlieferung entwickelte sich seine enge Verbindung zum Schutz vor Feuer. Der heilige Florian gilt deshalb insbesondere als Schutzpatron der Feuerwehrleute und wird traditionell gegen Feuer- und Brandgefahr angerufen. Daher begegnet seine Darstellung bis heute besonders häufig an Feuerwehrhäusern und in Regionen mit ausgeprägter Florianverehrung.
Eine geschnitzte Florianfigur ist damit meist unmittelbar zu erkennen: römische Kleidung, Wassergefäß und brennendes Gebäude bilden zusammen eine charakteristische Bildsprache, die seine Geschichte und sein Schutzpatronat in einer einzigen Darstellung verbindet.
4. Die heilige Barbara – Schutzpatronin der Bergleute
Die heilige Barbara gehört zu den bekanntesten weiblichen Heiligen und wird besonders von Bergleuten, aber auch von Menschen verehrt, die mit gefährlichen Berufen verbunden sind. Ihr Gedenktag ist der 4. Dezember – der Barbaratag, mit dem auch der bekannte Brauch der Barbarazweige verbunden ist.
Über Barbaras Leben gibt es keine gesicherten historischen Nachrichten; ihre Geschichte ist vor allem durch Legenden überliefert. Danach lebte sie als junge Christin gegen Ende des 3. Jahrhunderts. Ihr Vater Dioskur soll sie in einem Turm eingeschlossen haben, um sie von der Außenwelt fernzuhalten. Barbara bekannte sich dennoch zum christlichen Glauben und wurde schließlich wegen ihres Glaubens verfolgt und getötet.
Das wichtigste Attribut einer Barbarafigur ist deshalb der Turm. Häufig besitzt dieser drei Fenster, die in der christlichen Überlieferung als Hinweis auf die Dreifaltigkeit gedeutet werden. Weitere mögliche Attribute sind Kelch und Hostie, Schwert oder Märtyrerpalme. Je nach Darstellung müssen deshalb nicht alle Barbarafiguren vollkommen gleich aussehen.
Besonders eng ist Barbara mit dem Bergbau verbunden. Bergleute verehrten sie als Schutzpatronin bei der gefährlichen Arbeit unter Tage. Darüber hinaus gilt sie traditionell unter anderem als Patronin von Artilleristen, Sprengmeistern und weiteren Berufsgruppen, die besonderen Gefahren ausgesetzt sind.
Mit dem 4. Dezember verbindet sich außerdem der Brauch der Barbarazweige. Zweige von Obstbäumen – häufig Kirschzweige – werden an diesem Tag geschnitten und ins Haus gestellt. Blühen sie um Weihnachten, gelten sie traditionell als Zeichen von Hoffnung und neuem Leben.
Gerade durch Turm, Kelch und die Verbindung zum Barbaratag besitzt die heilige Barbara eine besonders vielfältige Symbolik. Ihre geschnitzten Darstellungen verbinden damit Heiligenlegende, Schutzpatronat und einen bis heute gepflegten Adventsbrauch.
5. Der heilige Josef – Schutzpatron der Familien und Arbeiter
Der heilige Josef gehört zu den zentralen Gestalten der christlichen Tradition. Als Ehemann Marias und Ziehvater Jesu ist er eng mit der Weihnachtsgeschichte verbunden, wird aber auch unabhängig von der Krippendarstellung als Heiligenfigur verehrt. Sein Gedenktag ist der 19. März, der Josefstag.
Die Evangelien berichten nur vergleichsweise wenig über Josef. Überliefert wird er als Zimmermann beziehungsweise Handwerker, der für Maria und Jesus sorgte und seine Familie beschützte. Besonders die Flucht nach Ägypten und seine Rolle als fürsorglicher Familienvater prägten seine spätere Verehrung.
In Heiligenfiguren lässt sich Josef häufig an einer Lilie erkennen. Sie steht traditionell für Reinheit. Weitere typische Attribute sind Zimmermannswerkzeuge wie Winkelmaß, Säge oder Beil und verweisen auf seinen Beruf. Manche Darstellungen zeigen Josef außerdem mit dem Jesuskind auf dem Arm.
Aufgrund seiner Rolle als Familienvater gilt Josef insbesondere als Schutzpatron der Familien, Eheleute und Arbeiter. Eine besondere Verbindung besteht zum Handwerk und zu den Zimmerleuten. Papst Pius XII. führte zudem 1955 den Gedenktag „Josef der Arbeiter“ am 1. Mai ein.
Der heilige Josef nimmt damit unter den bekannten Heiligen eine besondere Stellung ein: Seine Bedeutung beruht weniger auf einer Märtyrerlegende als auf Fürsorge, Verlässlichkeit, Arbeit und dem Schutz der Familie. Gerade diese Eigenschaften erklären, weshalb Josef bis heute zu den häufig dargestellten Heiligen gehört.
6. Der heilige Antonius – Helfer beim Wiederfinden verlorener Dinge
Der heilige Antonius von Padua gehört zu den volkstümlichsten und bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche. Besonders bekannt ist seine Anrufung, wenn verlorene oder verlegte Gegenstände wiedergefunden werden sollen. Sein Gedenktag ist der 13. Juni.
Antonius wurde 1195 in Lissabon geboren und trat zunächst den Augustiner-Chorherren bei. Später schloss er sich dem noch jungen Franziskanerorden an. Bekannt wurde er vor allem als Prediger und Theologe. Einen großen Teil seines Wirkens verbrachte er in Italien; 1231 starb er in der Nähe von Padua. Bereits im folgenden Jahr wurde er heiliggesprochen.
Eine Antoniusfigur lässt sich besonders häufig am Jesuskind auf seinem Arm erkennen. Die Darstellung geht auf eine Überlieferung zurück, nach der Antonius das Jesuskind erschienen sein soll. Oft trägt er außerdem eine Lilie, die als Symbol der Reinheit gilt, sowie das Ordensgewand der Franziskaner. Auch ein Buch kann als Hinweis auf seine Tätigkeit als Prediger und Lehrer dargestellt sein.
Seine bekannte Rolle als Helfer beim Wiederfinden verlorener Dinge entwickelte sich aus verschiedenen Überlieferungen. Bis heute wenden sich viele Menschen deshalb mit der Bitte an den heiligen Antonius, Verlorenes wiederzufinden. Darüber hinaus gilt er unter anderem als Patron der Armen und Reisenden.
Durch die Kombination aus Franziskanergewand, Jesuskind und Lilie besitzt Antonius eine charakteristische Darstellung. Besonders das Jesuskind unterscheidet ihn von vielen anderen Ordensheiligen und macht ihn auf geschnitzten Heiligenfiguren häufig gut erkennbar.
Gut zu wissen
Ein Attribut kann zu mehreren Heiligen gehören
Nicht jedes Symbol weist eindeutig auf nur einen Heiligen hin. Eine Lilie findet sich beispielsweise sowohl beim heiligen Josef als auch beim heiligen Antonius und bei weiteren Heiligendarstellungen. Auch Buch, Schwert oder Märtyrerpalme können verschiedenen Heiligen zugeordnet sein.
Für die sichere Bestimmung einer Heiligenfigur ist deshalb meist die Kombination mehrerer Merkmale entscheidend. Antonius lässt sich beispielsweise an Franziskanergewand, Jesuskind und häufig einer Lilie erkennen, während Josef mit Lilie, Zimmermannswerkzeug oder ebenfalls dem Jesuskind dargestellt werden kann.
Tipp: Betrachten Sie deshalb immer die gesamte Figur – Kleidung, Gegenstände, Haltung und Begleitfiguren ergeben zusammen die charakteristische Darstellung eines Heiligen.
7. Der heilige Franziskus von Assisi – Patron der Tiere und der Natur
Der heilige Franziskus von Assisi gehört zu den bekanntesten Heiligen des Christentums. Seine freiwillige Hinwendung zu einem einfachen Leben in Armut, seine besondere Beziehung zur Schöpfung und die von ihm begründete franziskanische Bewegung prägen sein Bild bis heute. Sein Gedenktag ist der 4. Oktober.
Franziskus wurde um 1181/1182 in Assisi als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers geboren. Nach einer tiefgreifenden persönlichen und religiösen Entwicklung verzichtete er auf sein bisheriges Leben und widmete sich einem Leben in Armut und im Dienst an anderen. Aus der Gemeinschaft, die sich um ihn bildete, entwickelte sich der Franziskanerorden.
In Heiligenfiguren wird Franziskus meist im schlichten Ordensgewand der Franziskaner dargestellt. Zu seinen wichtigsten Erkennungsmerkmalen gehören die Stigmata – die Wundmale Christi an Händen, Füßen und an der Seite. Häufig begleiten ihn außerdem Tiere wie Vögel oder ein Wolf. Diese Darstellungen greifen Erzählungen auf, in denen Franziskus eine besondere Verbundenheit mit Tieren und der gesamten Schöpfung zugeschrieben wird.
Eine der bekanntesten Überlieferungen erzählt vom Wolf von Gubbio. Der Legende nach soll Franziskus einen Wolf, der die Bewohner der Stadt bedrohte, besänftigt und zwischen Tier und Menschen Frieden gestiftet haben. Auch seine berühmte Vogelpredigt wurde zu einem häufig aufgegriffenen Motiv in Kunst und Heiligendarstellungen.
Franziskus gilt heute besonders als Patron der Tiere, der Natur und des Umweltschutzes. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1979 zum Patron der Ökologie. Sein Gedenktag am 4. Oktober wird deshalb vielerorts auch mit Tiersegnungen verbunden.
Von Antonius von Padua lässt sich eine Franziskusfigur trotz des ähnlichen Ordensgewandes meist gut unterscheiden: Während Antonius häufig das Jesuskind und eine Lilie trägt, sind für Franziskus vor allem Stigmata und Tierdarstellungen charakteristisch. Genau daran zeigt sich sehr schön, warum bei der Bestimmung einer Heiligenfigur die Kombination mehrerer Attribute entscheidend ist.
8. Der heilige Georg – der Drachentöter
Der heilige Georg gehört zu den bekanntesten Heiligenfiguren überhaupt. Seine Darstellung ist besonders eindrucksvoll: Meist erscheint er als Ritter oder Soldat im Kampf mit einem Drachen. Sein Gedenktag ist der 23. April.
Über das historische Leben Georgs ist nur wenig sicher bekannt. Der christlichen Überlieferung zufolge lebte er zur Zeit des römischen Kaisers Diokletian und erlitt zu Beginn des 4. Jahrhunderts wegen seines Glaubens das Martyrium. Seine Verehrung verbreitete sich bereits früh und erreichte sowohl die östliche als auch die westliche Kirche.
Berühmt wurde Georg vor allem durch die später entstandene Legende vom Kampf mit dem Drachen. Danach bedrohte ein Drache eine Stadt und schließlich sollte ihm die Tochter des Königs geopfert werden. Georg stellte sich dem Tier entgegen, besiegte es und rettete die Königstochter. In der christlichen Bildsprache wurde der Sieg über den Drachen zugleich als Sinnbild für den Sieg des Guten über das Böse verstanden.
Entsprechend eindeutig sind die Attribute einer Georgsfigur. Häufig trägt der Heilige Rüstung, Schild und Lanze oder Schwert. Unter ihm befindet sich der Drache, den er oftmals vom Pferd aus bekämpft. Teilweise wird zusätzlich die gerettete Königstochter im Hintergrund der Szene dargestellt.
Der heilige Georg gilt traditionell als Schutzpatron unter anderem der Ritter, Soldaten und Reiter. Darüber hinaus ist er Patron zahlreicher Länder, Regionen, Städte und Kirchen. Sein Name und das Georgskreuz begegnen deshalb in vielen Teilen Europas.
Unter geschnitzten Heiligenfiguren ist Georg durch seine dramatische Darstellung besonders leicht zu erkennen: Ritter, Pferd und Drache bilden eine charakteristische Figurengruppe. Gleichzeitig zeigt seine Darstellung besonders anschaulich, wie eine Heiligenlegende durch wenige Attribute in einer Holzfigur erzählt werden kann.
9. Die heilige Elisabeth von Thüringen – Helferin der Armen
Die heilige Elisabeth von Thüringen gehört zu den bekanntesten weiblichen Heiligen des Mittelalters. Besonders verbunden ist ihr Name mit Nächstenliebe, Fürsorge für Bedürftige und dem Einsatz für Kranke und Arme. Ihr Gedenktag ist der 19. November.
Elisabeth wurde 1207 als ungarische Königstochter geboren und kam bereits als Kind an den Hof der Landgrafen von Thüringen. Sie heiratete Ludwig IV. von Thüringen und lebte auf der Wartburg. Trotz ihrer adeligen Herkunft widmete sie sich intensiv der Unterstützung bedürftiger Menschen. Nach dem frühen Tod ihres Mannes gründete sie in Marburg ein Hospital und kümmerte sich dort selbst um Kranke und Arme.
Besonders bekannt ist das Rosenwunder. Der Legende nach trug Elisabeth Lebensmittel zu Bedürftigen, als sie unterwegs zur Rede gestellt wurde. Als sie zeigen sollte, was sie bei sich trug, hatten sich die Brote in Rosen verwandelt. Deshalb wird die heilige Elisabeth in der Kunst häufig mit Rosen oder einem Korb mit Brot dargestellt.
Weitere Darstellungen zeigen sie in fürstlicher Kleidung oder bei der Versorgung eines bedürftigen Menschen. Diese unterschiedlichen Attribute greifen ihre beiden Lebenswelten auf: Elisabeth war eine Frau von hohem gesellschaftlichem Rang und entschied sich zugleich für ein Leben, das stark von Barmherzigkeit und tätiger Nächstenliebe geprägt war.
Die heilige Elisabeth gilt unter anderem als Patronin der Armen, Kranken und Bedürftigen sowie karitativer Einrichtungen. Ihre Darstellung steht deshalb weniger für Schutz vor einer bestimmten Gefahr als für die Bereitschaft, anderen Menschen konkret zu helfen.
Eine Elisabethfigur lässt sich besonders gut an der Verbindung von fürstlicher Darstellung mit Rosen oder Brot erkennen. Gerade das Rosenmotiv macht sie zu einer der charakteristischen weiblichen Heiligenfiguren.
Gut zu wissen
Welche Heiligenfigur passt zu welchem Anlass?
Heiligenfiguren werden häufig nicht nur wegen ihrer Darstellung ausgewählt, sondern auch aufgrund der Bedeutung und des Schutzpatronats des jeweiligen Heiligen. Dadurch können sie zu einem sehr persönlichen Geschenk für einen bestimmten Anlass werden.
Ein heiliger Christophorus wird beispielsweise traditionell mit Reisen und sicheren Wegen verbunden, der heilige Florian mit Feuerwehr und Schutz vor Feuer. Josef steht besonders für Familie und Arbeit, während Franziskus mit Tieren und der Bewahrung der Schöpfung verbunden ist. Die heilige Elisabeth wiederum steht für Nächstenliebe und die Unterstützung Bedürftiger.
Wer eine Heiligenfigur verschenken möchte, kann deshalb überlegen, welche Geschichte oder Bedeutung besonders gut zum Beschenkten und zum Anlass passt. So erhält die Figur neben ihrem handwerklichen und künstlerischen Wert eine persönliche symbolische Bedeutung.
10. Der heilige Hubertus – Schutzpatron der Jäger
Der heilige Hubertus von Lüttich gehört besonders im jagdlichen Umfeld zu den bekanntesten Heiligen. Seine Darstellung ist eng mit einem Hirsch verbunden, zwischen dessen Geweih ein Kreuz erscheint. Dieses außergewöhnliche Attribut macht eine Hubertusfigur meist schon auf den ersten Blick erkennbar. Sein Gedenktag ist der 3. November.
Hubertus lebte im 7. und 8. Jahrhundert und wurde später Bischof von Maastricht und Lüttich. Mit seiner heutigen Bekanntheit verbindet sich vor allem die Hubertuslegende. Nach der Überlieferung soll Hubertus während einer Jagd einem mächtigen Hirsch begegnet sein, zwischen dessen Geweih ein leuchtendes Kreuz erschien. Dieses Erlebnis führte zu seiner religiösen Umkehr.
Die Legende wird häufig als Aufforderung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung verstanden. Entsprechend entwickelte sich Hubertus zum Schutzpatron der Jäger und des Jagdwesens. Bis heute erinnern Hubertusmessen und andere jagdliche Traditionen rund um seinen Gedenktag an diese Verbindung.
In geschnitzten Heiligenfiguren wird Hubertus meist als Jäger mit Jagdkleidung und Hirsch dargestellt. Besonders entscheidend ist das Kreuz zwischen dem Geweih des Tieres. Manche Darstellungen zeigen ihn dagegen in bischöflicher Kleidung und greifen damit seine historische Tätigkeit als Bischof auf.
Eine Hubertusfigur verbindet damit zwei unterschiedliche Ebenen: den historischen Bischof und die später entstandene Jagdlegende. Für die populäre Darstellung setzte sich vor allem die Szene mit dem Hirsch und dem Kreuz im Geweih durch.
11. Der heilige Petrus – der Apostel mit dem Schlüssel
Der heilige Petrus gehört zu den bedeutendsten Gestalten des frühen Christentums. Er war einer der zwölf Apostel Jesu und nimmt in der christlichen Überlieferung eine besondere Stellung ein. Sein gemeinsamer Gedenktag mit dem Apostel Paulus ist der 29. Juni.
Ursprünglich hieß Petrus Simon und arbeitete als Fischer. Nach den Evangelien gehörte er zu den ersten Jüngern Jesu. Der Name Petrus geht auf das griechische Petros – „Fels“ – zurück und steht in Verbindung mit der besonderen Rolle, die ihm innerhalb des Jüngerkreises zugeschrieben wird.
Das bekannteste Attribut des heiligen Petrus ist der Schlüssel. Grundlage dafür ist eine Stelle im Matthäusevangelium, in der Jesus Petrus die „Schlüssel des Himmelreichs“ zuspricht. In der christlichen Kunst wird er deshalb häufig mit einem oder zwei großen Schlüsseln dargestellt. Weitere mögliche Attribute sind ein Buch, ein Fisch oder ein umgekehrtes Kreuz.
Das umgekehrte Kreuz verweist auf die Überlieferung seines Martyriums in Rom. Petrus soll dort gekreuzigt worden sein und darum gebeten haben, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden, weil er sich nicht für würdig hielt, auf dieselbe Weise wie Jesus zu sterben.
Petrus gilt unter anderem als Schutzpatron der Fischer und Schiffer. Gleichzeitig ist seine Darstellung eng mit der Kirche und dem Papstamt verbunden. Besonders durch das Schlüsselmotiv gehört er zu den Heiligen, die sich auf Bildern und geschnitzten Figuren häufig schnell identifizieren lassen.
Eine Petrusfigur lässt sich daher meist bereits an einem Detail erkennen: Trägt ein Apostel einen oder mehrere Schlüssel, handelt es sich sehr wahrscheinlich um den heiligen Petrus.
WEITERE BEKANNTE HEILIGE
12. Weitere Heilige und ihre typischen Attribute
Heiliger Nikolaus
Bischofsstab, Mitra und häufig drei goldene Kugeln – Schutzpatron unter anderem der Kinder und Seefahrer.
Heiliger Martin
Meist als Reiter dargestellt, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt – Sinnbild für Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft.
Erzengel Michael
Mit Schwert oder Lanze im Kampf gegen das Böse dargestellt – häufig mit Drachen oder besiegtem Dämon zu seinen Füßen.
Heilige Anna
Häufig gemeinsam mit ihrer Tochter Maria dargestellt – traditionell verbunden mit Familie, Müttern und Großmüttern.
Heilige Katharina von Alexandrien
Besonders am Rad und häufig zusätzlich an Schwert und Märtyrerpalme zu erkennen.
Heilige Rita von Cascia
Meist im Ordensgewand dargestellt; häufig mit Rose, Kreuz oder Stirnwunde. Sie wird besonders in schwierigen und aussichtslos erscheinenden Anliegen angerufen.
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